Betty Bossi
| Betty Bossi | |
|---|---|
| Rechtsform | Division der Coop Genossenschaft |
| Gründung | 1956 (Kunstfigur); 1977 (Betty Bossi Verlag AG); 2021 (Betty Bossi als Division der Coop Genossenschaft) |
| Sitz | Hauptsitz: Zürich-Altstetten, 2 weitere Standorte: Basel |
| Leitung | Lars Feldmann, Geschäftsführer |
| Mitarbeiterzahl | 116 |
| Umsatz | Nettoerlös: 66 Mio. CHF |
| Branche | Medien, Konsumgüter, Lebensmittelentwicklung |
| Website | bettybossi.ch |
| Stand: 31. Dezember 2025 | |
Betty Bossi ist eine Schweizer Kulinarik-Marke für Rezepte, Küchen- und Haushaltshelfer sowie Food-Produkte. Sie gehört seit 2021 als Division zur Coop Genossenschaft mit Sitz in Basel. Die Marke basiert auf einer 1956 geschaffenen Kunstfigur und ist eine der bekanntesten Konsumentenmarken der Schweiz.[1]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gründung und Rolle von Emmi Creola-Maag (1956–1970er)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 1. April 1956 erschien die erste Ausgabe der Betty Bossi Post als kostenlose Beilage in Schweizer Lebensmittelläden auf Deutsch und Französisch. Die fiktive Ratgeberfigur wurde von der Zürcher Werbetexterin Emmi Creola-Maag (1912–2006) entwickelt, die für die Werbeagentur Lintas tätig war.[2] Ziel war es, den Absatz von Speiseölen und -fetten der Marke Astra (einer damaligen Unilever-Tochter) durch eingebundene Rezeptvorschläge und Alltagstipps zu fördern. Als Vorbild diente die US-amerikanische Werbefigur Betty Crocker.
In den Anfangsjahren verfasste Creola-Maag die Publikationen weitgehend allein, bevor sie Unterstützung durch eine Hauswirtschaftslehrerin und einen Koch erhielt. Da die Identität der Autorin lange geheim gehalten wurde, hielten viele Leserinnen die Figur für eine reale Person. Creola-Maag blieb bis zu ihrer Pensionierung 1971 die prägende Stimme der Marke.[3]
Aufbau des Verlags und Expansion (1965–1990er)
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Ab 1965 vertrieb die Marke Kochbücher, die zunächst als Ringbücher im Querformat gestaltet waren. Ein festes Abonnementsystem für die Kochzeitschrift wurde 1966 eingeführt. Im Jahr 1977 wurde der Geschäftsbetrieb aus der Unilever-Tochter Astra herausgelöst und in die eigenständige Betty Bossi Verlag AG überführt, die weiterhin zum Unilever-Konzern gehörte.
In den 1980er-Jahren erweiterte das Unternehmen sein Sortiment um die Entwicklung und den Vertrieb eigener Küchenhelfer, darunter Back- und Kochutensilien wie der Spätzli-Blitz.[4] 1986 wurde zudem eine eigene Kochschule eröffnet.[5]
Eigentümerwechsel und Digitalisierung (1995–2020)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Unilever verkaufte die Betty Bossi Verlag AG 1995 an das Schweizer Medienunternehmen Ringier.[6] Unter dessen Führung wurde 1998 die Online-Plattform bettybossi.ch lanciert. Im Jahr 2001 übernahm die Coop Genossenschaft eine Beteiligung von 50 Prozent an dem Unternehmen.[6] Im selben Jahr startete in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) die Koch- und Quizsendung al dente, die bis zu ihrer Einstellung im Jahr 2010 wöchentlich ausgestrahlt wurde.
Ab 2002 nutzte Coop den Markennamen für die Einführung einer eigenen Convenience-Food-Linie unter der Bezeichnung Idée Betty Bossi.[7] Im Dezember 2012 übernahm Coop die verbleibenden 50 Prozent der Aktienanteile von Ringier und wurde Alleineigentümerin des Unternehmens.[6]
Integration in die Coop Genossenschaft (seit 2021)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Juni 2021 wurde die Rechtsform der Aktiengesellschaft aufgelöst und Betty Bossi als Division vollständig in die Coop Genossenschaft integriert. Im Geschäftsjahr 2025 wies die Division an den Standorten Zürich und Basel 116 Mitarbeitende und einen Nettoerlös von 66 Millionen Franken aus.[7]
Unternehmensstruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Betty Bossi ist seit 2021 eine Division der Coop Genossenschaft und dem Detailhandels-Segment der Coop-Gruppe zugeordnet, gemeinsam mit Formaten wie Coop Supermarkt, Coop Pronto und Coop Restaurant. Der Hauptsitz befindet sich in Zürich; zwei weitere Standorte bestehen in Basel.[7]
Geschäftsbereiche
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Das Tätigkeitsfeld von Betty Bossi gliedert sich in drei Kernbereiche:
Medien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hauptpublikation ist die Betty Bossi Zeitung, die im kostenpflichtigen Abonnement erscheint. Die beglaubigte Auflage betrug im Zeitraum 2024/2025 insgesamt 475'357 Exemplare (Gesamtausgabe Deutsch und Französisch).[8] Neben gedruckten Kochbüchern betreibt das Unternehmen digitale Plattformen sowie mobile Applikationen für Rezepte und Ernährungsberatung. Zudem werden Rezepte für konzerneigene Plattformen wie Fooby sowie für Drittmedien wie das GaultMillau Magazin entwickelt.

E-Commerce
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Über einen eigenen Online-Shop werden Kochbücher, Küchen- und Haushaltshelfer vertrieben. Ein Teil des Sortiments besteht aus Eigenentwicklungen, für deren Erprobung das Unternehmen Versuchsküchen und Werkstätten unterhält.

Food Solutions
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Bereich umfasst kulinarische Dienstleistungen für die Muttergesellschaft Coop und Dritte. Dazu gehören Trend- und Foodscouting, die Produktentwicklung und Rezeptkreation für alle Coop-Lebensmitteleigenmarken sowie die Qualitätsprüfung bestehender Produkte. Zudem unterstützt Betty Bossi die Coop-Gastronomie bei der Konzept- und Rezeptentwicklung und gibt ihr Fachwissen in Schulungen und Weiterbildungen weiter.
Produkte und Publikationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Betty Bossi veröffentlicht jährlich rund zehn Kochbücher zu wechselnden Themen. Bekanntestes Einzelprodukt im Bereich Küchenhelfer ist der Spätzli-Blitz, der in mehreren Generationen weiterentwickelt wurde und bis heute zu den beliebtesten Küchenhelfern der Marke zählt.[4]
Für die Rezeptentwicklung und Produktprüfung betreibt Betty Bossi zehn Küchen und eine Werkstatt. Alle Rezepte und Eigenprodukte werden dort getestet, bevor sie veröffentlicht oder verkauft werden.
Betty Bossi bietet neben klassischen Kochrezepten auch spezifische Gesundheitsangebote an. Die Buchreihe gesund & schlank erscheint seit 2014. Ergänzend dazu gibt es die App Gesund Abnehmen, die Rezepte, Kalorienerfassung und Ernährungstipps anbietet.
Film
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Entstehungsgeschichte der Marke und das Leben ihrer Erfinderin Emmi Creola-Maag wurden im Jahr 2025 im Schweizer Spielfilm Hallo Betty (Regie: Pierre Monnard, Hauptrolle: Sarah Spale) thematisiert. Der Film zeigt die Geschichte einer berufstätigen Frau und Mutter, die sich in den 1950er-Jahren in einer von Männern dominierten Arbeitswelt durchsetzte. Der Film wurde von C-Films als unabhängige Produktion realisiert.[9][10]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Markus Lischer: Betty Bossi. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- H. U. Michel: Firmengeschichte Sais/Astra. Sais, Zürich 1991 (Festschrift anlässlich des 75-jährigen Firmenjubiläums von Sais Zürich im Jahre 1991 und von Astra Steffisburg im Jahre 1992).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- offizielle Website
- Publikationen von und über Betty Bossi im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek
- Benedikt Meyer: Betty Bossi Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 17. Februar 2020
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ YouGov Schweiz, Markenstudie im Auftrag von Betty Bossi, 2022. Eigenangabe.
- ↑ Bea Schenk: Emmi Creola-Maag (1912-2006) ( vom 15. Januar 2024 im Internet Archive)
- ↑ Neue Zürcher Zeitung, Nr. 178, 5. August 2003, S. 43.
- 1 2 Schweizer Illustrierte, Sondermagazin «Hallo Betty», 2025 (PDF)
- ↑ Geschichte von Betty Bossi. In: bettybossi.ch. Abgerufen am 20. November 2025.
- 1 2 3 Markus Lischer: Betty Bossi. In: Historisches Lexikon der Schweiz., abgerufen am 3. August 2026
- 1 2 3 Geschäftsbericht der Coop-Gruppe 2002. (PDF) In: report.coop.ch. 2002, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ WEMF Auflagebulletin 2025. (PDF) In: wemf.ch. 2025, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Urs Bühler: Sie war die geistige Mutter von Betty Bossi, ihre Geburtshelferin, ihre Hand und ihr Gesicht. Nun erobert Emmi Creola-Maag die Kinoleinwand. In: nzz.ch. 18. November 2025, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Pascal Blum: «Hallo Betty» im Kino | So zahm wie ein Betty-Bossi-Rezept. In: tagesanzeiger.ch. 20. November 2025, abgerufen am 3. August 2026.
