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Brörup-Interstadial

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Das Brörup-Interstadial war eine Wärmephase der Weichsel-Kaltzeit – genauer die erste große Erwärmung zu Beginn des Unterweichsels (Weichsel-Frühglazial II oder WF II – bzw. auch WE II). Es bildet das OIS 5c (bzw. MIS 5c) um 90.000 bis 104.000 Jahre vor heute.

Das Brörup-Interstadial ist nach der dänischen Kleinstadt Brørup benannt. Vor 1558 hieß Brørup noch Brodhrop und vor 1525 Bryddorp. Bryddorp leitet sich seinerseits von den altnordischen Substantiven bryti (Gutsverwalter) und torp (Anwesen, Hof) ab. Bryddorp bedeutet somit „Hof des Gutsverwalters“.

Die Wortschöpfung Interstadial setzt sich zusammen aus dem lateinischen Adjektiv inter mit der Bedeutung „zwischen, dazwischen“ und dem sächlichen Substantiv Stadial, abgeleitet vom Altgriechischen στᾰ́σῐς (stắsĭs) „Stand, Lage, Position, Stasis, Stillstand“. Sie bezeichnet somit die Zeit zwischen zwei Eishöchstständen.

Definition und Erstbeschreibung

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Das Brörup-Interstadial stellt das erste große Unterweichsel-Interstadial dar.

Die Erstbeschreibung des Interstadials erfolgte im Jahr 1957 durch S. T. Andersen.[1] Der Begriff „Brörup-Interstadial“ erschien jedoch erstmals im Jahr 1960 bei S. T. Andersen und Kollegen.[2]

Das Unterweichsel wird durch zwei lange und relativ warme Interstadiale gekennzeichnet – das Brörup- und das Odderade-Interstadial. Diese beiden Interstadiale lassen sich mit Sicherheit über große Teile Europas verfolgen und auch korrelieren. Das bereits zuvor in den Niederlanden beschriebene Amersfoort-Interstadial wird jetzt in das Brörup-Interstadial integriert und bildet sein Liegendes. Beide Interstadiale waren in Nordwest-, Mittel- und Südeuropa bewaldet. Im Norden waren Koniferenwälder vorherrschend, welche jedoch nach Süden in Laubwälder übergingen. Der Klimagradient war definitiv steiler, was wahrscheinlich mit der Südwärtsverlagerung des Golfstroms zusammenhing. In Bohrkernen der Tiefsee gehen die beiden Interstadiale mit den Isotopenstadien 5c und respektive 5a konform.[3]

Der Begriff „Interstadial“ kennzeichnet eine deutliche relative Klimaverbesserung. Der klimatische und vegetationsgeschichtliche Inhalt eines bestimmten Interstadials kann je nach geographischer Breite sehr unterschiedlich sein und etwa im Brörup-Interstadial von Süden nach Norden von Eichenmischwäldern über boreale Nadelwälder bis zur Waldlosigkeit reichen.

Die Typlokalität des Brörup-Interstadials ist das Profil BP 1 (STA) am Brørup Hotel in Mitteljütland in Dänemark – genauer in dem das Hotel umgebenden Sumpfgebiet. Sie war bereits im Jahr 1928 von K. Jessen und V. Milthers entdeckt worden.[4]

In Nordwestdeutschland ist das Brörup-Interstadial an zahlreichen Stellen angetroffen worden, in optimaler Form als bis zu über 1 Meter mächtiger Torf. Besonders vollständig ist das Interstadial in Odderade,[5]Oerel, Osterwanna[6] und Rederstall[7] sowie in Mitteldeutschland in Gröbern[8] und in der Niederlausitz in Kittlitz.[9] Im Profil Königsaue im östlichen Harzvorland korreliert es mit der Stufe I a2.

Darüber hinaus ist das Brörup-Interstadial in Süddeutschland sowie in anderen europäischen Ländern verbreitet. In Frankreich entspricht es dem Saint Germain I (beispielsweise in La Grande Pile am Südwestrand der Vogesen), in dem die wärmeliebenden Arten bereits eine große Rolle spielen.

Das Brörup-Interstadial (WF II) des Weichsel-Frühglazials folgt auf das Herning-Stadial (WF I) und wird seinerseits vom Rederstall-Stadial (WF III) abgelöst.

Karl-Ernst Behre (1989) unterteilt das Brörup-Interstadial intern in 4 Stufen (vom Hangenden zum Liegenden):[3]

  • WF II b – Kiefernperiode – 1373 bis 1335 Zentimeter
  • WF II a3 – Birkenperiode – 1426 bis 1373 Zentimeter
  • WF II a2 – Birkenperiode – 1438 bis 1426 Zentimeter
  • WF II a1 – Birkenperiode – 1457 bis 1438 Zentimeter

Die unterste Stufe WF II a1 wird oft auch als eigenes Interstadial angesehen – das Amersfoort-Interstadial.

Im Referenzprofil Oerel OE 61 erstreckt sich das Brörup-Interstadial von Zentimeter 1457 bis Zentimeter 1335 unter Referenzniveau (Erdoberfläche), umfasst somit an Mächtigkeit 1,22 Meter.

Zum Vergleich: das Eemium beginnt in Oerel bei 1895 Zentimeter (Mächtigkeit 2,61 Meter) und das Herning-Stadial bei 1634 Zentimeter (Mächtigkeit 1,77 Meter). Die drei Birkenperioden erstrecken sich von 1457 bis 1373 Zentimeter und sind insgesamt 0,84 Meter mächtig. Die abschließende Kiefernperiode reicht von 1373 bis 1335 Zentimeter und wird nur 0,38 Meter mächtig. Das Amersfoort-Interstadial zu Beginn ist mit 19 Zentimeter nur sehr dünn und die zweite Birkenperiode mit 12 Zentimeter noch dünner.

Das anschließende Rederstall-Stadial setzt bei 1335 Zentimeter ein und hält bis 677 Zentimeter durch – es wird somit immerhin 6,58 Meter mächtig.

Ein scharfer Wechsel erfolgt bei Zentimeter 1455 mit dem Steilanstieg der baumförmigen Birken. Diese starke Klimaänderung, die zur Bewaldung führte, wird daher als Untergrenze des Brörup-Interstadials, WF II, genommen. Unterteilt wird das Brörup-Interstadial in die Grundeinheiten Birkenzeit, WF IIa, und Kiefernzeit, WF IIb. Durch die Bewaldung sank der Grundwasserstand, und bei Zentimeter 1432 wird die limnische Mudde nun von Torf abgelöst. Innerhalb der Birkenzeit erfolgte ein wahrscheinlich klimatisch bedingter Rückschlag der Vegetation (WF IIa2), durch den die Birkenzeit dreigeteilt wird. Dieser Rückschlag ist auch im benachbarten Pollendiagramm von Osterwanna zwischen den Proben 32 und 45 erkennbar.[6] Wie bereits ausgeführt, entspricht WF IIa1 dem Amersfoort-Interstadial, und ab WF IIa3 beginnt das Brörup-Interstadial im Sinne von Zagwijn (1961).[10]

Ab Zentimeter 1415 nehmen im Abschnitt WF II a3 die Nichtbaumpollen recht stark zu. Dies dürfte aber nicht auf klimatische Ursachen zurückzuführen sein, denn in diesem Zeitraum erfolgt gleichzeitig die Einwanderung neuer Baumarten, wie Fichte (Picea) und Lärche (Larix), und auch thermophile Laubhölzer, vor allem Eiche (Quercus) und Hasel (Corylus), haben durchlaufende Pollenkurven. Das Klima ist demnach zumindest stabil geblieben. Die Ausbreitung von Picea (und Larix) erfolgt auch in den Brörup-Diagrammen von Amersfoort,[10] Rederstall[7] und Osterwanna immer erst deutlich nach dem Florenumschwung. In der Regel hat Larix einen Vorsprung, in Oerel breiten sich dagegen beide Arten etwa gleichzeitig aus.

Das regelmäßige Auftreten der thermophilen Laubholzarten kann im Torf nicht auf Einschwemmung beruhen, sondern die Pollenkörner müssen fernverweht sein. Ganz ähnliche Nachweise liegen aus dem benachbarten Osterwanna und den schleswig-holsteinischen Brörupvorkommen vor, zum Teil aus reinen Hochmoortorfen. Wenn in den Pollenspektren dieses dicht bewaldeten Interstadials oftmals eine Summe von über 1 % thermophiler Arten auftritt, so können deren Bestände aber nicht allzu weit entfernt gewesen sein.

Den Abschluss des Brörup-Interstadials bildet die Kiefernzeit, WF IIb ab Zentimeter 1373. Sie ist im Profil OE 61 nicht vollständig, der oberste Teil fehlt hier. In der benachbarten Bohrung OE 46 wurde jedoch ein vollständiges Brörup-Interstadial erfasst und deshalb zur Ergänzung untersucht. Dort umfasst der Abschnitt IIb etwa 1 Meter, nach oben hin gehen Larix und Picea wieder zurück, während die Heidekrautgewächse (Ericales – vor allem Besenheide) über 30 % des Gesamtpollens erreichen.

Bei 1370 Zentimeter treten Esche (Fraxinus) und als Sporenpflanzen Adlerfarne (Pteridium) hinzu, bei 1345 Zentimeter Buche (Fagus) und bei 1335 Zentimeter schließlich auch noch Ahorn (Acer), der bereits bei 1385 Zentimeter ein erstes Auftreten hatte.

Auch das Pollendiagramm des unteren Brörup-Interstadials bei Willi Selle und Heinrich Schneekloth (1965) ist nahezu vollständig und erfasst außerdem fast die ganze Kiefernzeit.[11]

Paläoenvironment

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Hänge-Birke (Betula pendula)
Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) in Hessen

Nach den Pollenanalysen ist das Brörup-Interstadial in Dänemark und Norddeutschland durch boreale Mischwälder gekennzeichnet, in denen zunächst für längere Zeit Baumbirken, danach für etwa ebenso lange Zeit Waldkiefern vorherrschen. Wichtig sind auch erhebliche Anteile an Fichten und Lärchen sowie geringere von Erlen. Wärmeliebende Bäume fehlen.[12]

Durch den Vergleich mit postglazialen Pollendiagrammen aus Nordeuropa konnte abgeschätzt werden, dass die thermophilen Holzarten ihre nördlichen Arealgrenzen während des Brörup-Interstadials etwa 4 bis 6 Breitengrade südlich von Osterwanna (und damit auch von Oerel) hatten, also etwa zwischen Main-Linie und dem Nordrand der Alpen. Angenommen wird dabei ein etwa dem heutigen gleicher Nord-Süd-Klimagradient. Die 1975 erschienene Bearbeitung von La Grande Pile durch G. Woillard bestätigte das vollständig.[13] Die (gelegentlich angezweifelte) Synchronisierung des nordmitteleuropäischen Brörup-Interstadials mit dem St. Germain I-Interstadial südwestlich der Vogesen entspricht damit auch der damaligen, nach Süden verschobenen, Zonierung der Wälder. Das 1. Interstadial am Samerberg ist jetzt ebenfalls mit dem Brörup-Interstadial gleichzusetzen.

Für das Alpenvorland zeigten E. Grüger (1979)[14] und M. Welten (1981, 1982)[15] Entsprechendes, wenn man die dortige Höhenlage berücksichtigt. Ein Vorkommen der Eichenmischwaldarten sowie von Hainbuche (Carpinus) oder Hasel (Corylus) in Nordwestdeutschland und Dänemark ist auszuschließen. Die Klimagrenzen im Brörup-Interstadial müssen sehr lange stabil gewesen sein, aber das Klima in Norddeutschland hat thermophile Laubhölzer nicht zugelassen, denn bei der langen Dauer des Interstadials wäre für deren Einwanderung Zeit genug vorhanden gewesen.

Gegenblättriger Steinbrech (Saxifraga oppositifolia)
Gletscher-Tragant (Astragalus frigidus)

Im Anschluss an das kalte Herning-Stadial war das Brörup-Interstadial gemäßigt kontinental. Die Sommertemperaturen in den Niederlanden lagen bei 14 °C und waren nur 4 °C niedriger als im thermischen Maximum des Eemiums. Ausgedehnte Koniferenwälder hatten sich etabliert.[16] Selbst wenn die Winter mit bis zu − 13 °C recht kalt blieben – zu erkennen an gelegentlichen Inseln von Besenheide (Calluna vulgaris) und dem Auftreten von zähen Lärchenpopulationen (Larix sp.) – so hatte sich die Niederschlagsmenge in Nordwesteuropa zwar erhöht, jedoch erreichten manche Sommertage dennoch bis zu 26 °C – erkennbar an Gegenblättriger Steinbrech (Saxifraga oppositifolia) und Gletscher-Tragant (Astragalus frigidus).[17]

Temperaturabschätzungen anhand der MCR-Methode (Englisch mutual climatic range oder abgekürzt MCR) an stenothermen Käfern (Coleoptera mit eingeschränktem Temperaturbereich) konnten nur zwischen 1390 und 1333 Zentimeter durchgeführt werden, d. h. im oberen Brörup-Interstadial. Die rekonstruierten Mittelwerte der Temperaturen indizieren recht kontinentale klimatische Verhältnisse mit Sommerdurchschnittstemperaturen von rund 14 °C und Winterdurchschnittstemperaturen von − 10 °C. Die kalibrierten durchschnittlichen Sommerwerte schwanken hierbei zwischen 11 und 16,5 °C, die Winterwerte zwischen − 14,5 und − 7,5 °C. Diese Ergebnisse stimmen sehr gut mit quantitativen Abschätzungen von La Grande Pile, Gröbern und Groß Todtshorn überein.[18]

Im Ijssel-Becken gesellten sich Tannen (Abies) am Übergang vom Herning-Stadial zum Brörup-Interstadial zu den Koniferenwäldern. Viele Laubbaumtaxa bestanden zwar weiterhin fort, dennoch dehnten sich jetzt Kräuter weiter aus und diversifizierten sich – weitaus stärker als in vorangegangenen Zeitabschnitten. Die Kräuter erreichten immerhin 30 Taxa – darunter Wegerichgewächse (Plantaginaceae), Knöterichgewächse (Polygonaceae), Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae), Rosengewächse (Rosaceae), Dorniger Moosfarn (Selaginella selaginoides) und Keulen-Bärlapp (Lycopodium clavatum).

Die Flusserosion war zwar einschneidender als im vorangegangenen Herning-Stadial, ging aber dennoch insgesamt zurück – erkennbar an den dem Eemium ähnelnden Makrophytenpopulationen von Laichkräutern, Gemeiner Schafgarbe, Schilfrohr und Liliengewächsen. Im Zuge der borealen Wiederbewaldung rekolonialisierten Birken im Amersfoort-Becken die Wälder zuerst, gefolgt von Kiefern und untergeordnet von Eichen. Durch das Fortfallen von Hangerosion und auch Sandablagerungen mittels aufgepressten Eisrücken stabilisierte sich die Landschaft. Torflandschaften gewannen an Bedeutung und mit ihnen Farne, die zu wichtigen Bestandteilen dieser Ökosysteme heranwuchsen.[19]

Schnabel-Segge (Carex rostrata)
Gift-Hahnenfuß (Ranunculus sceleratus)

Die aus dem Herning-Stadial stammenden lakustrinen Ablagerungen setzen sich anfangs auch im Brörup-Interstadial noch weiter fort. Ab 1432 Zentimeter erfolgt der Übergang zu einem dunklen Torf, der sich relativ küstennah gebildet hatte. Im untersten Abschnitt setzen sich Wasserpflanzen weiter fort, werden aber jetzt durch Sommerwärme verlangende Taxa wie Krebsschere (Stratiotes aloides) und insbesondere Raues Hornblatt (Ceratophyllum demersum) ergänzt. Die Küstenfazies macht sich durch das reichliche Einsetzen von Gift-Hahnenfuß (Ranunculus sceleratus) und das dauerhafte Auftreten von Schnabel-Segge (Carex rostrata) bemerkbar – beide Taxa werden extrem oft angetroffen. Bemerkenswert ist das durchgehende Vorkommen von Großer Brennnessel (Urtica dioica), die zusammen mit Gift-Hahnenfuß innerhalb von WF II a2 nährstoffreiche Bedingungen anzeigt. Diese Pflanzen werden noch von anderen Sumpftaxa begleitet – wie beispielsweise Gemeiner Tannenwedel (Hippuris vulgaris), Gewöhnliche Sumpfbinse (Eleocharis palustris) und Rohrkolben (Typha) und in noch nässeren Bedingungen von einer Anzahl von Laichkraut-Taxa (Potamogeton) sowie Hahnenfuß (Ranunculus syn. Batrachium), Biegsames Nixenkraut (Najas flexilis) etc. Die meisten Makroreste liegen auch als Pollen vor.

Moose indizieren anfangs leicht saure pH-Bedingungen. Am interessantesten hierunter sind das braune Laubmoos Helodium blandowii – ein an kleinen Tümpeln gedeihendes Taxon – und Langstieliges Bruchmoos (Meesia longiseta). Beide Arten fehlen heutzutage nahezu gänzlich in Mitteleuropa. Weiter ins Hangende steigt der nutritive Gehalt an – zu erkennen an Rundliches Torfmoos (Sphagnum teres), das sehr arme Bereiche meidet und insbesondere an Calliergon giganteum als Anzeiger von sehr basenreichen Verhältnissen. Etwas später (ins Hangende hinein) werden die beiden Taxa von Drepanocladus tundrae, einem weiteren eutrophischen Moos, begleitet. Auch Drepanocladus tundrae ist (wie der Name schon sagt) ein nördliches Taxon, das heute ebenfalls in Mitteleuropa nicht mehr auftritt und als Niedermoor-Pflanze untergetaucht in Bächen und Seen vorkommt. Die Niedermoor-Phase in der oberen Hälfte von WF II a3 besitzt die höchste Diversifizierung an Moosen und wird durch verschiedene Taxa charakterisiert, die oft in Quellgebieten auftreten – Mnium cinclidioides, Sparriges Sumpfmoos Paludella squarrosa, Herzblättriges Schönmoos Calliergon cordifolium und das Quellmoos Philonotis.

Europäische Lärche (Larix decidua) im Herbst in den Alpes Maritimes

An der Grenze WF IIa/WF IIb bei 1373/1372 Zentimeter tritt eine stratigraphische Veränderung zu Waldlandtorf ein. Anhand des Pollendiagramms wechseln an diesem Niveau die Birken- zu Koniferenwäldern. Die Wasserpflanzen verschwinden nahezu komplett, es herrschen ab jetzt die SeggenSchnabel-Segge (Carex rostrata) und Wiesen-Segge (Carex nigra), auch Baumreste stellen einen weiteren bedeutenden Anteil. Sehr häufig sind Lärchennadeln. In diesen baumbestandenen Sümpfen traten neben Lärchen auch Rot-Tanne (Picea abies), Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) sowie vier Birkenarten auf. Obwohl die Lärchen anhand ihrer Nadeln nicht näher bestimmt werden können, zeigen Zapfenfunde von Europäischer Lärche (Larix decidua) im benachbarten Osterwanna, dass dieses Taxon ebenfalls vertreten war.[6]

Generell stimmt das Vorkommen der Baumtaxa voll mit dem Pollendiagramm überein, nur Erle (Alnus) und Weide (Salix) fehlen als Makrofossilien – obwohl sie mit Sicherheit vorhanden waren. Birkenarten waren im unteren und mittleren Abschnitt des Brörup-Interstadials die vorherrschenden Bäume. In Übereinstimmung mit ihren ökologischen Rahmenbedingungen war die Moor-Birke (Betula pubescens) dominierend, es trat aber auch noch die Hänge-Birke (Betula pendula) hinzu. Diese beiden Birkentaxa wurden untergeordnet von der Strauch-Birke (Betula humilis) und der Zwerg-Birke (Betula nana) begleitet. Wie bereits erwähnt wird der obere Abschnitt des Brörup-Interstadials von Koniferen dominiert. Von großem Interesse ist hierbei das deutliche Vorkommen der Europäischen Lärche (Larix decidua) – ein Taxon, das aus klimatischen Gründen sowohl im Eemium als auch im Postglazial fehlt. Die Europäische Lärche wurde in der deutschen Weichsel-Kaltzeit erstmals in Osterwanna, 35 Kilometer nordwestlich von Oerel, anhand von stellenweise sehr reichlichen Makroresten nachgewiesen. Wegen der nur sehr geringen Pollendispersion ist die Europäische Lärche an nahegelegene Baumstände gebunden – was hier der Fall ist.

Serbische Fichte (Picea omorika)

Zwei Samen, die wahrscheinlich der Serbischen Fichte (Picea omorika) angehören, sind besonders bemerkenswert. Dieses Taxon ist seit seiner Entdeckung durch C. A. Weber (1898) wohlbekannt für sein Vorhandensein im Frühweichsel Norddeutschlands.[20] Untersuchungen an Fichten-Pollenkörnern aus Oerel durch Heinrich Schneekloth im Jahr 1966 weisen darauf hin, dass die Serbische Fichte in Oerel sowohl im Brörup-Interstadial als auch im Odderade-Interstadial vorhanden gewesen sein muss.[21]

Auch bodenbedeckende Moose spiegeln den Übergang zum Waldlandtorf, darunter Spitzblättriges Spießmoos (Calliergonella cuspidata) und Sumpf-Streifensternmoos (Aulacomnium palustre) – mit Hinweis auf eventuelle Störungen. Neben dem rasch verschwindenden Schönmoos (Calliergon giganteum) erscheinen jetzt ombrotrophische Taxa wie beispielsweise Sumpf-Streifensternmoos (Aulacomnium palustre) und auch Wacholder-Widertonmoos (Polytrichum juniperinum). Weitere Taxa sind das bereits angeführte braune Laubmoos (Helodium blandowii) als auch das Laubmoos (Mnium ellipticum).

Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum)

Schließlich verschwinden sämtliche Anzeiger für basenreiche Verhältnisse und es bleiben nur noch Rundliches Torfmoos (Sphagnum teres), Sumpf-Torfmoos (Sphagnum palustre) und einige Acutifolia-Blätter übrig – wahrscheinlich zum Taxon Sphagnum nemoreum gehörig. Russow-Torfmoos (Sphagnum russowii) und Warnstorfs Torfmoos (Sphagnum warnstorffi) sind hierbei anhand ihrer Seitenblattmorphologie recht leicht auszuschließen. Zu diesem Zeitpunkt war aber im Brörup-Interstadial der Entwicklungszyklus vom Niedermoor zum eigentlichen Moor noch nicht vollständig abgeschlossen. Die aus der Moosvegetation zu ziehenden Schlussfolgerungen werden auch von den anderen Makroresten im Profil OE 61 gestützt – ganz im Gegenteil zu früheren und späteren Abschnitten in der Oerel-Abfolge. Eine Erklärung bietet die Annahme, dass der oberste Abschnitt des Brörup-Interstadials hier fehlt. Ein anderes Pollendiagramm (OE 46) zeigt jedoch hohe Werte an Besenheide (Calluna) und Krähenbeeren (Empetrum) gegen Ende des Brörup-Interstadials. Dies bedeutet, dass der Entwicklungszyklus im Brörup-Interstadial sehr wohl auch zu einer Versäuerung und letztlich gar zu ombrotrophischen Bedingungen (niederschlagsreiches Hochmoor) führte.

Eine große Anzahl von Insektenresten lieferten weitere wertvolle, zusätzliche Informationen. Es lassen sich zwei Fauneneinheiten unterscheiden. Die untere Einheit reicht bis 1405 Zentimeter hinauf und repräsentiert den ersten Teil des Brörup-Interstadials. An der Probenentnahmestelle war vorwiegend Gyttja sedimentiert worden – mit nur wenigen Insektenresten. Es waren nur sieben Käfer (Coleoptera) und zwei andere Insekten angetroffen worden. Zwischen 1400 und 1333 Zentimeter konnten jedoch im oberen Brörup-Interstadial im ab jetzt vorliegenden Holztorf 54 Käfer und drei weitere Insektentaxa aufgelesen werden. Es ist offensichtlich, dass der Umschwung in der Insektenfauna mit der lithologischen Grenze konform geht. Die im Interstadial angetroffenen Insekten haben ihr heutiges Verbreitungsgebiet vorwiegend in Nord- und Mitteleuropa.

Unterer Faunenabschnitt

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Der Schwimmkäfer Agabus bipustulatus – Männchen
Der Spitzmausrüssler Apion frumentarium

Die unterste Probe enthält Reste von Agabus – einem räuberischen Schwimmkäfer – sowie drei Kopfkapseln der zu den Zuckmücken (Chironomidae) gehörenden, nicht-stechenden Mückenlarve Corynocera ambigua. Diese sthenotherme, Kälte bevorzugende Chironomidenart hat jetzt ihr geographisches Hauptverbreitungsgebiet im äußersten Norden Europas. Sie kann aber sehr wohl die Sommer gemäßigterer Regionen im Eistadium überleben. Bei den anderen Proben des unteren Faunenabschnitts sind sowohl terrestrische als auch aquatische Taxa zugegen. Der Kurzflügler Olophrum fuscum sucht seine Beute zwischen Moos und Blattstreu am feuchten Boden, oft an moosbestandenen See- und Flussufern. Rüsselkäfer der Taxa Apion und Otiorhynchus finden sich hauptsächlich auf verschiedenen krautigen Pflanzen. Die Larven von Notaris bimaculatus entwickeln sich speziell in Rohrkolbenstängeln. Die Schilfkäfer Donacia und Plateumaris sind semi-aquatische Blattkäfer und wurden ebenfalls in zwei Proben angetroffen.

Der Faunenwechsel bei 1405 Zentimeter dürfte keinerlei Änderung des thermischen Regimes anzeigen, da ja thermophile Taxa in beiden Fauneneinheiten zugegen sind und kalte stenotherme Taxa ausbleiben. Viel wahrscheinlicher ist ein Wechsel im örtlichen Environment, der von einer hydrologischen Zustandsänderung ausgelöst wurde. Die geringere Artenvielfalt des unteren Abschnitts ist womöglich auf den taphonomischen Effekt eines angestiegenen Wasserstandes zu diesem Zeitpunkt zurückzuführen. Insektenreste zeigen die Tendenz, im flachen Wasser nahe der einstigen Uferlinie zahlenmäßig zu akkumulieren.

Oberer Faunenabschnitt

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Schwarzer Krummhornkäfer (Loricera pilicornis)

Die Fauneneinheit oberhalb von 1400 Zentimeter weist eine wesentlich höhere Diversifizierung auf, wobei einige terrestrische und aquatische Taxa heute in gemäßigten Klimazonen vorkommen. Der am Boden lebende Raschkäfer Elaphrus uliginosus bevorzugt offene Environments, sehr nasse, recht dünn bestandene Böden in Randnähe von Seen, Teichen und Marschen sowie sehr reichhaltige Niedermoore. Heutzutage kommt das Taxon in ganz Europa vor – mit der Ausnahme von Fennoskandien, wo es sehr ungewöhnlich ist und stellenweise auch nur bis 67 ° nördlicher Breite auftritt. Der Schwarze Krummhornkäfer (Loricera pilicornis) ist vorwiegend ein eurytopischer Waldbewohner, der auf feuchtem, schlammigen, mehr oder weniger schattigem Boden gedeiht, oft in der Nähe stehenden Wassers. Die jetzige geographische Ausbreitung des Zweifleckigen Ahlenläufers (Bembidion virens) ist in der Hauptsache Europa und Sibirien. Das Taxon bewohnt meist sterile Flussschotterbänke oder Seeufer und hält sich immer in Wassernähe auf. Das Taxon (Bembidion doris) kommt etwas weiter südlich als (Bembidion virens) vor und ist ebenfalls sehr hygrophil (wasserliebend). (Bembidion virens) ist besonders häufig an dystrophischen und oligotrophischen Seen und Teichen zu finden, inmitten einer dichten Vegetation aus Seggen (Carex), Wollgräsern (Eriophorum) und Moosen. Das Taxon erscheint aber auch unter Blattstreu in schattigen, baumbestandenen Sümpfen – ein Habitat, das der Grabkäfer Pterostichus strenuus ganz besonders bevorzugt. Letzteres Taxon kann auch im Freiland angetroffen werden – jedoch an schattigen Stellen am Rande von eutrophischen Seen oder in Wiesen mit hohem Bewuchs. Zum Nigrita-Typus gehören zwei sehr eng verwandte Arten – Schwärzlicher Grabkäfer (Pterostichus nigrita) und Pterostichus rhaeticus. Beide Arten weisen ein sehr weites geographisches Verbreitungsgebiet in ganz Europa auf, erstrecken sich aber auch bis nach Nordasien, wo (Pterostichus rhaeticus) im äußersten Norden vorherrscht. Beide sind auf Nasshabitate wie Seeufer und eutrophische Niedermoore beschränkt. Der Ziegelrote Flinkläufer (Trechus rubens), der Grabkäfer Pterostichus diligens und der Laufkäfer Agonum traten bereits in Sedimenten des Eemiums auf.

Grauschwarze Sklavenameise (Formica fusca)

Es konnten auch eine Anzahl von Kurzflüglern (Staphylinidae) identifiziert werden, darunter der bereits erwähnte (Olophrum fuscum), Acidota cruentata, Stenus, Quedius und Bolitchara. Sie sind alle auf Nasshabitate wie Seeufer, Niedermoore und feuchtem Waldboden beschränkt. Der Stutzkäfer (Histeridae) Hetaerius ferrugineus bewohnt Ameisenhaufen vorwiegend erbaut von Formica fusca und Formica sanguinea und ernährt sich von toten oder kranken Ameisen (Formicidae). Nebenbei wurden auch noch einige Ameisenreste geborgen.

Der Braunfüßige Wasserläufer (Hydrobius fuscipes)
Der Geränderte Wasserkäfer (Anacaena limbata)

Es sind ferner eine bedeutende Anzahl von aquatischen und semiaquatischen Taxa aufgezeichnet, welche auf offene Flachwasserbedingungen verweisen. Darunter räuberisch lebende Tauchkäfer wie Agabus und Scirtidae wie Cyphon. Hydraena palustris lebt zwischen Moosen am Rand von klaren, stagnierenden Wasserstellen, oft in Waldnähe. Cercyon tristis, Hydrobius fuscipes, Anacaena limbata und Cybiodyta marginella sind im Wasser lebende Räuber, die bereits im Eemium angetroffen wurden und ebenfalls im späten Brörup-Interstadial wieder erscheinen. In derselben Familie werden noch zwei weitere Taxa registriert – so lebt beispielsweise Anacaena globulus in untergetauchter Flachwasservegetation charakteristisch für Sphagnum-Tümpel, Anacaena limbata hingegen meidet offensichtlich oligotrophe Wasserkörper. Die meisten Schmalwasserkäfer-Arten von Enochrus finden sich jedoch an den Rändern stagnierender Feuchtstellen. Der bereits im Herning-Stadial vorkommende Blattkäfer Donacia clavipes ist an Reet-Vegetation gebunden und tritt auch im Brörup-Interstadial in einigen Proben auf. Donacia obscura hat Segge (Carex) und Simsen (Scirpus) als Wirtspflanzen, wohingegen Plateumaris braccata auf Schilfrohren (Phragmites) vorkommt.

Der Seidenhaarige Schnellkäfer (Prosternon tesselatum)
Das charakteristische geteilte Auge des Doppeläugigen Fichtenbastkäfers (Polygraphus poligraphus)

Der zu den Pselaphinae gehörende Pselaphaulax dresdensis ist bezeichnend für Feuchtwiesen und Niedermoore und hält sich zwischen Blattstreu und Moosen auf. Die Larven von Weichkäfern wie beispielsweise Rhagonycha leben auf Schnecken, die Adultformen werden aber meist in den Blütenständen von Doldengewächsen (Umbelliferen) beobachtet. Der Melyridae Aplocnemus nigri cornis ist an Koniferen gebunden und die Larven der Schnellkäfer Lacon fasciatus finden sich unter der losen Rinde von Birken und Espen, aber auch von Koniferen. Der Seidenhaarige Schnellkäfer (Prosternon tesselatum) entwickelt sich in Koniferenstümpfen und im Humus von Waldböden, Denticollis linearis hingegen lebt unter verrottendem Holz verschiedener Baumtaxa. Die Rindenkäfer Polygraphus poligraphus und Dryocoetes autographus befallen Fichten und Kiefern, in denen ihre Larven unter der Rinde heranwachsen und ihre Gänge anlegen. Der Moderkäfer (Latridiidae) Enicmus ernährt sich von Schimmelpilzen, oft unter loser Baumrinde. Hier finden sich auch die Familien Nitidulidae und Cryptophagidae. Pillenkäfer des Taxons Cytilus kommen in Feuchtwiesen und Niedermooren vor und ernähren sich von Moosen.

Die Gegenwart von Mistkäfern weist auf größere grasende Wiederkäuer hin. Aphodius pusillus und Aphodius coenosus sind sehr eng miteinander verwandte Mistkäfer-Taxa. Aphodius pusillus ist mit Ausnahme des extremen Nordens und Südens im größten Teil Europas weit verbreitet – wohingegen Aphodius coenosus heutzutage etwas südlicher auftritt. Beide Taxa bevorzugen offene Habitate, sind aber nicht auf eine spezielle Mistart spezialisiert.

Taxa von Onthophagus sind vor allem mit trockenen, sonnenexponierten Böden assoziiert, in welchen sie Gänge und Brutkammern anlegen können. Sie sind thermophile (wärmeliebende) Insekten und fehlen vollständig im äußersten Nordeuropa. Die Wirtspflanzen des Blattkäfers Chrysomela haemoptera sind Huflatticharten, Chrysomela collaris jedoch ernährt sich – wie auch Taxa des Curculionidae Dorytomus – von Weiden (Salix). Chrysomela haemoptera erreicht jetzt das südliche Fennoskandien, wohingegen andere Chrysomela-Taxa noch weiter nach Norden vordringen.

Der Möhrenrüssler Liparus coronatus

Die Larven des auf Ruderalvegetation lebenden Laufkäfers Liparus coronatus knabbern an den Wurzeln von Doldengewächsen, insbesondere an Kerbel (Anthriscus silvestris), Wilde Möhre (Daucus carota) und Pastinak (Pastinaca sativa). Sein nördliches Verbreitungsgebiet erreicht das südliche Fennoskandien. Die aus dem Eemium bekannten Taxa von Apion sind auch im Brörup-Interstadial zugegen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die terrestrische Fauna des oberen Abschnitts sowohl von hygrophilen Taxa dominiert wird, welche auf Ufer- und Niedermoorhabitate spezialisiert sind, als auch von Waldlandtaxa – darunter auch saproxylische, von und im Totholz lebende Käfer. Dennoch indizieren einige Käfertaxa auch trockene, offene Environments. Somit entsteht das Bild einer Mosaiklandschaft für das Brörup-Interstadial – mit Nassbereichen, Waldungen und zur Sonne exponierten freien Stellen.

Gegen Ende des Brörup-Interstadials (Kiefernperiode) konnten an der Freiluftfundstätte Lichtenberg in Norddeutschland (östliches Niedersachsen) 192 von Neandertalern hergestellte Artefakten nachgewiesen werden. Diese wurden von Marcel Weiss und Kollegen (2022) für die Fundschicht Lichtenberg II auf einen Mittelwert von 90.500 ± 8.700 Jahre vor heute datiert.[22]

Das Brörup-Interstadial repräsentiert im terrestrischen Bereich das marine Isotopenstadium MIS 5c. Jahresschichtenzählungen aus einem Teilbereich der Kieselgur in Rederstall lassen auf eine Gesamtdauer des Brörup-Interstadials zwischen 5.800 und 10.500 Jahren schließen.[23] Wegen Unvollständigkeit der Profile ist eine genauere Bestimmung der Dauer jedoch leider unmöglich.

Laut dem Eisbohrkern GRIP ist das Brörup-Interstadial mit dem sehr langen Grönland-Interstadial GI-23.1 zu assoziieren.[24] Dieses geht konform mit dem Dansgaard-Oeschger-Ereignis DO 23. Das GI- 23.1 dauerte von 90.700 Jahre vor heute bis 104.000 Jahre vor heute. Laut den North Greenland Ice Core Project members (2004) umfasste das DO 23 den Zeitraum von etwa 90.000 bis maximal 105.500 Jahre vor heute.[25] Der Bohrkern MD95-2042 aus der Biskaya überdeckt in etwa denselben Zeitabschnitt.

Das GI-23 ist zweigeteilt – dem sehr langen GI-23.1 war noch das extrem kurze GI-23.2 vorausgegangen, das bei 104.500 Jahre vor heute einsetzt und nur 100 Jahre bis 104.400 Jahre vor heute dauert. GI-23.1 und GI-23.2 werden durch ein sehr kurzes Stadial voneinander getrennt – das GS-23.2 von 104.000 bis 104.400 Jahre vor heute. Dem GI-23 folgt ein weiteres Interstadial – das GI-22 von 87.600 bis 90.000 Jahre vor heute. Es ist nicht klar, ob dieses GI-22 noch zum Brörup-Interstadial oder bereits zum folgenden Rederstall-Stadial zu rechnen ist. Das GI-22 ist sehr unruhig und wird durch drei sehr kurze Stadiale (GI-22 b, d und f) in die eigentlichen interstadialen Abschnitte GI-22 a, c, und e unterteilt. Die Abtrennung des GS-22 vom GI-23 erfolgt durch das sehr kurze Stadial GS-23.1 von 90.000 bis 90.100 Jahre vor heute.

  • Karl-Ernst Behre, Adam Hölzer und Geoffrey Lemdahl: Botanical macro-remains and insects from the Eemian and Weichselian site of Oerel (northwest Germany) and their evidence for the history of climate. In: Veget. Hist. Archaeobot. Band 14, 2005, S. 31–53, doi:10.1007/s00334-005-0059-x.
  • Karl-Ernst Behre und Udo Lade: Eine Folge von Eem und 4 Weichsel-Interstadialen in Oerel/Niedersachsen und ihr Vegetationsablauf. In: Eiszeitalter und Gegenwart. Band 36. Hannover 1986, S. 11–36 ( [PDF]).
  • Marcel Weiss, Michael Hein und Kollegen: Neanderthals in changing environments from MIS 5 to early MIS 4 in northern Central Europe – Integrating archaeological, (chrono)stratigraphic and paleoenvironmental evidence at the site of Lichtenberg. In: Quaternary Science Reviews. Band 284, 2022, S. 25, doi:10.1016/j.quascirev.2022.107519.

Einzelnachweise

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  1. S. T. Andersen: New Investigations of Interglacial Fresh-Water Deposits in Jutland. A Preliminary Report. In: Eiszeitalter und Gegenwart. Band 8. Öhringen/Württemberg 1957, S. 181–186.
  2. S. T. Andersen, H. L. De Vries und Waldo H. Zagwijn: Climatic change and radiocarbon dating in the Weichselian Glacial of Denmark and the Netherlands. In: Geologie en Mijnbouw. Band 39. Leiden 1960, S. 38–42.
  3. 1 2 Karl-Ernst Behre: Biostratigraphy of the last glacial period in Europe. In: Quaternary Science Reviews. Vol. 8, 1989, S. 25–44.
  4. K. Jessen und V. Milthers: Stratigraphical and Paleontological Studies of Interglacial Fresh Water Deposits in Jutland and Northwest Germany. In: Danmarks Geologiske Undersøgelske, 2. Række. Band 48. Kopenhagen 1928, S. 379.
  5. F.-R. Averdieck: Palynologische Neuuntersuchung der Typlokalität Odderade. In: Meyniana. Band 50. Kiel 1998, S. 25–45.
  6. 1 2 3 Karl-Ernst Behre: Die Vegetation des Spätpleistozän von Osterwanna/Niedersachsen. In: Geologisches Jahrbuch. A 18. Hannover 1974, S. 3–48.
  7. 1 2 Burchard Menke und Risto Tynni: Das Eeminterglazial und das Weichselfrühglazial von Rederstall/Dithmarschen und ihre Bedeutung für die mitteleuropäische Jungpleistozän-Gliederung. In: Geologisches Jahrbuch. A 76. Hannover 1984, S. 3–120.
  8. Thomas Litt: Paläoökologie, Paläobotanik und Stratigraphie des Jungquartärs im nordmitteleuropäischen Tiefland. In: Dissertationes Botanicae. Band 227. Berlin, Stuttgart 1994, S. 185.
  9. K. Erd: Vegetationsentwicklung und Biostratigraphie der Dömnitz-Warmzeit (Fuhne/Saale 1) im Profi l von Pritzwalk/Prignitz. In: Abh. zentr. geol. Inst. Band 18. Berlin 1973, S. 9–48.
  10. 1 2 Waldo H. Zagwijn: Vegetation, climate and radiocarbon datings in the Late Pleistocene of the Netherlands, Part I: Eemian and Early Weichselian. In: Mededelingen Geol. Stichting, N. S. Band 14. Maastricht 1961, S. 15–45.
  11. Willi Selle und Heinrich Schneekloth: Ergebnisse einer Kernbohrung in Oerel, Krs. Bremervörde; drei Interstadiale über Ablagerungen des Eem-Intetglazials. In: Z. dt. geol. Ges. Band 115. Hannover 1965, S. 109–117.
  12. Thomas Litt: Stratigraphie von Deutschland - Quartär. In: Eiszeitalter und Gegenwart. Band 56, Nr. 1/2. Deutsche Quartärvereinigung e. V. Hannover, 2007 ( [PDF]).
  13. G. Woillard: Recherches palynologiques sur le pleistocène dans l'est de la Belgique et dans les Vosges Lorraines. In: Acta Geographica Lovaniensia. Band 14. Louvain 1975, S. 118.
  14. E. Grüger: Spätriß, Riß/Würm und Frühwürm am Samerberg in Oberbayern — ein vegetationsgeschichtlicher Beitrag zur Gliederung des Jungpleistozäns. In: Geologica Bavarica. Band 80. München 1979, S. 5–64.
  15. M. Welten: Veränderung und Vernichtung der anspruchsvollen Gehölze am Beginn der letzten Eiszeit und die Korrelation der Frühwürm-Interstadiale in Mittel- und Nordeuropa. In: Eiszeitalter und Gegenwart. Band 31. Hannover 1981, S. 182–202.
  16. Frank Preusser: Towards A Chronology of the Late Pleistocene in the Northern Alpine Foreland. In: Boreas. Band 33, Nr. 3, 2004, S. 183–267, doi:10.1111/j.1502-3885.2004.tb01141.x.
  17. Gerard Aalbersberg und Thomas Litt: Multiproxy Climate Reconstructions for the Eemian and Early Weichselian. In: Journal of Quaternary Science. Band 13, Nr. 5, 1998, S. 367–390, doi:10.1002/(SICI)10991417(1998090)13:5<367::AID-JQS400>3.0.CO;2-I.
  18. Karl-Ernst Behre, Adam Hölzer und Geoffrey Lemdahl: Botanical macro-remains and insects from the Eemian and Weichselian site of Oerel (northwest Germany) and their evidence for the history of climate. In: Veget. Hist. Archaeobot. Band 14, 2005, S. 31–53, doi:10.1007/s00334-005-0059-x.
  19. Cees Kasse, John D. van der Woude, Hessel A. G. Woolderink und Jeroen Schokker: Eemian to Early Weichselian Regional and Local Vegetation Development and Sedimentary and Geomorphological Controls, Amersfoort Basin, The Netherlands. In: Netherlands Journal of Geosciences. Band 101, e7, 2022, S. 1–22, doi:10.1017/njg.2022.4.
  20. C. A. Weber: Über eine omorikaartige Fichte aus einer dem älteren Quartäre Sachsens angehörenden Moorbildung. In: Englers Botanische Jahrbücher. Band 24, 1898, S. 510–540.
  21. Heinrich Schneekloth: Ergebnisse weiterer Untersuchungen an den interglazialen Ablagerungen der Weichsel-Eiszeit in Oerel/Kreis Bremervörde. In: Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft. Band 116, 1966, S. 773–796.
  22. Marcel Weiss, Michael Hein und Kollegen: Neanderthals in changing environments from MIS 5 to early MIS 4 in northern Central Europe – Integrating archaeological, (chrono)stratigraphic and paleoenvironmental evidence at the site of Lichtenberg. In: Quaternary Science Reviews. Band 284, 2022, S. 25, doi:10.1016/j.quascirev.2022.107519.
  23. E. Grüger: Late Quaternary biostratigraphy in northern Germany 150 000 - 15 000 years BP. In: Striae. Band 34. Uppsala 1991, S. 7–14.
  24. Sune O. Rasmussen und Kollegen: A stratigraphic framework for abrupt climatic changes during the Last Glacial period based on three synchronized Greenland ice-core records: refining and extending the INTIMATE event stratigraphy. In: Quaternary Science Reviews. Band 106, 2014, S. 14–28, doi:10.1016/quascirev.2014.09.007.
  25. North Greenland Ice Core Project members: High-resolution record of Northern Hemisphere climate extending into the last interglacial period. In: Nature. Band 2805, 2004, S. 1–5.