Zum Inhalt springen

Dödelhaie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dödelhaie
Allgemeine Informationen
Herkunft Duisburg, Deutschland
Genre(s) Punk
Aktive Jahre
Gründung 1985
Auflösung
Website www.doedelhaie.de
Gründungsmitglieder
Andreas „Andi“ Kulosa
Harald „Hardy“ Kulosa
Aktuelle Besetzung
Andreas „Andi“ Kulosa
Axel
Mani
Harald „Hardy“ Kulosa
Ehemalige Mitglieder
Timo

Die Dödelhaie sind eine deutsche Punkband aus Duisburg.

Gründungsmitglieder der Dödelhaie waren die Brüder Andreas „Andi“ Kulosa (Gitarre, Gesang, später Bass) und Harald „Hardy“ Kulosa (zunächst Bassist, dann Schlagzeuger). Die Band wurde 1985 gegründet.[1] Zum ersten Line-up gehörte auch Sänger Timo-.Die ersten Konzerte folgten noch im selben Jahr. unter anderem trat man mit Inferno, Boskops, Neurotic Arseholes und Maniacs auf. Eine Bandfreundschaft entstand mit den Braunschweig stammenden Daily Terror sowie Dritte Wahl, mit beiden entstanden später auch Split-Veröffentlichungen. Uwe Golz, der ehemalige Daily-Terror-Gitarrist, produzierte auch alle Alben von 1994 bis 2012.[2]

1990 erschien das erste Album Des Kanzlers Kadaver… in Eigenregie, da es auf die Demos der Band keine positiven Rückmeldungen gab.[1] Kurz darauf entstand als eine Art Trotzreaktion das von den Gebrüder Kulosa gemeinsam geführte Punk-Label Impact Records, wo alle weiteren Alben der Band erschienen.[3] Im selben Jahr trennte sich die Band von ihrem Sänger. Da kein passender Nachfolger gefunden wurde, übernahm Andi den Gesang.

1992 erschien das Holzfällerlied, eine Coverversion des bekannten Monty-Python-Sketches als Single, das die Band in der Szene bekannt machte. Ebenfalls folgte das zweite Album Sinfonie des Wahnsinns. Die Band war auf zahlreichen stilprägenden Punk-Samplern der 1990er Kahre vertreten, unter anderem auf den Samplerreihen Schlachtrufe BRD, Die deutsche Punkinvasion, die Kampftrinker Stimmungshits und den Soundtracks zum Untergang. Sie entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten neuen Bands der deutschen Punkszene.[4]

1994 erschien das Album Spiegelbild und 1998 das vierte Album Mitternacht.[5] 1998 erschien die EP Oi! – It’s Doitschpunk bei der die Band eingedeutschte Versionen von Oi!-Klassikern von Peter and the Test Tube Babies, Cockney Rejects, Cock Sparrer und Angelic Upstarts veröffentlichte.[6]

In den nachfolgenden Jahren etablierten sich die Dödelhaie auch im Ausland. Silvester 1999/2000 spielten sie auf Kuba. 2000, 2005, 2007 und 2009 nahmen sie an dem größten deutschen Punk-Open-Air-Festival Force Attack teil. Die Alben der Band werden inzwischen in Polen, Tschechien, Russland und Malaysia über dortige Labels verkauft. 2002 erschien Schätzchen, ich habe das Land befreit!, worauf es recht still um die Band wurde, die jedoch weiterhin live präsent war. Erst 2010 erschien das nächste Album Hai Alarm! anlässlich ihres 25. Geburtstags.[7][8]

Danach dauerte es bis 2022 als das Album Linksextreme Hassmusik als bislang siebtes und letztes Album veröffentlicht wurde.[9] Der Albumtitel basiert auf dem gescheiterten Indizierungsantrag 2012.[2] 2026 ging das Video zu Manchmal denke ich an Holland, das den Klimawandel und den damit verbundenen Anstieg der Weltmeere aufgreift, viral.[10]

Die Band spielt simplen Deutschpunk mit Anklängen an den Hard Rock, wie er insbesondere zur Entstehungszeit in den 1990ern recht üblich war.[5] Auf Grund des Namens, der Albenartworks mit Hai-Motiv und natürlich des Holzfäller-Liedes wurde die Band oft fälschlicherweise dem Fun-Punk zugeordnet, wobei die Texte sehr satirisch gesellschaftspolitische Themen aufgreifen und auch tagespolitische Themen auf den jeweils aktuellen Alben besprechen.[11] So findet sich auf dem letzten Album Linksextreme Hassmusik Songs über die COVID-19-Pandemie in Deutschland, den Klimawandel sowie das Lied Chemtrailpiloten, das satirisch die Verschwörungstheorien über die Chemtrails aufgreift.[9]

Eine 2012 auf Antrag des damaligen Brandenburger Innenministers Dietmar Woidke eingeleitete Anhörung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM)[12][9] lehnte die vorgeschlagene Indizierung von Liedern des zum damaligen Zeitpunkts 10 Jahre alten Albums Schätzchen, ich habe das Land befreit! sowie dem Album Hai Alarm! der Gruppe ab.[13][14] Dies basierte auf dem Titel Radieschen auf Frischkäse, einem Song der sich nach Ansicht des Landeskriminalamts Brandenburg positiv auf die linke Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF) bezog sowie auf dem Molli Lied, einer Variation des Sesamstraße-Lieds Hätt’ ich dich heut’ erwartet, hätt ich Kuchen da bei dem in einzelnen Textzeilen zur Gewalt gegen Polizisten aufrufen würden.[13]

  • 1990: Des Kanzlers Kadaver… (Eigenproduktion)
  • 1992: Sinfonie des Wahnsinns (Impact Records)
  • 1994: Spiegelbild (Impact Records)
  • 1998: Mitternacht (Impact Records)
  • 2002: Schätzchen, ich habe das Land befreit! (Impact Records)
  • 2010: Hai Alarm! (Impact Records)
  • 2022: Linksextreme Hassmusik (Impact Records)
  • 1997: Die beschissenen Jahre (Impact Records)
  • 2000: Radikal (3 CDs, Impact Records) (die ersten drei Alben in einer Box)
  • 2005: Immer bis zum Sieg (Rares-Singles-Samplertracks) (Impact Records)
  • 1991: Holzfällerlied
  • 1998: Oi! – It’s Doitschpunk

Split-Veröffentlichungen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Samplerbeiträge

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf folgenden Samplern wurden die Dödelhaie veröffentlicht:

  • 1991: Tollschock 2 (Am Gipfel der Macht)
  • 1992: Willkommen zur Alptraummelodie 1 (Die letzte Schlacht)
  • 1993: Die deutsche Punkinvasion (Legion der Verdammten)
  • 1994: Schlachtrufe BRD Vol. 3 (Radikal)
  • 1994: Kampftrinker Stimmungshits II (Das Holzfällerlied)
  • 1994: 7 Jahre Hbw – Das Fest – Video Sampler (Heute Nacht)
  • 1994: Vitaminepillen Vol. 2 (Totenschiff)
  • 1995: Willkommen zur Alptraummelodie 3 (Mitternacht)
  • 1996: Tollschock 3 (Shadow of the Shark)
  • 1996: Die deutsche Punkinvasion 2 (Stolz)
  • 1996: Hart & Schäbbich Videosampler (Radikal/Feinde(Nebel im Hirn/Gerechtigkeit))
  • 1997: So What – Anti-Nowhere League Tribute (We Will Survive)
  • 1997: Soundtrack zum Untergang 4 (Dunkelheit)
  • 1997: Punk im Pott / Duisburger Sampler (Duisburg)
  • 1997: Viva L Anarchia / Ton Steine Scherben Tribut (Die letzte Schlacht gewinnen wir)
  • 2000: Dailykatessen – 20 Jahre Daily Terror (Hinterlist)
  • 2000: Force Attack Festival-Sampler 2000 (Stolz?)
  • 2002: Russian Punk Cannonade Vol. 3 (Heute Nacht)
  • 2003: Peace Attack Vol. 2 (Kein Held)
  • 2004: Liebe, Autos, Abenteuer – Eine Hommage an Gunter Gabriel (Hey Boss, Rheinhausen über alles)
  • 2005: Force Attack Festival 2005 - Die Beste Punkerparty der Welt! (Spiegelbild)
  • 2006: Kick it – With Boots (Golfhooligans)
  • 2006: Rheinhausen Rockcity (Schäfchen)
  • 2007: Force Attack 2007 DVD (Radieschen auf Frischkäse)
  • 2008: Waffenbrüder – A Tribute to OHL (Talkshows)
  • 2009: Force Attack 2009 DVD (Radikal)
  • 2011: Aggropunk Vol. 2 (Ändern können sich die Anderen)
  • 2013: Dritte Wahl 25 Jahre 25 Bands (Haie in der Ostsee)
  • 2014: Bleiberecht Für Alle – Kein Mensch Ist Illegal – Lampedusa Soli Sampler (Gedanken am Fluss)
  • 2016: Oi! It’s Doitschpunk Vol. 1 (Solidarnoscz)
  • 2021: No Borders Vol. 2 (Manchmal denke ich an Holland)
  • 2021: Das Feindbild of Cancer – Wir Punkrock Sampler III (Das Ende)
  • 2008: Schwimm los, wenn du ein Haifisch bist (DVD, Impact Records)

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 Interview mit Andy von Dödelhaie. In: vinyl-keks.eu. 16. Juli 2022, abgerufen am 28. August 2026.
  2. 1 2 Florian Puschke: „Linksextreme Hassmusik“: Die Dödelhaie im Interview. In: Tough Magazine. 25. April 2022, abgerufen am 28. August 2026.
  3. ↑ Punkrock aus Duisburg seit 1985. Abgerufen am 28. August 2026 (deutsch).
  4. ↑ IG Dreck auf Papier: Keine Zukunft war gestern: Punk in Deutschland. Hirnkost, 2012, ISBN 978-3-943612-56-1, S. 165 (google.de [abgerufen am 28. August 2026]).
  5. 1 2 Torsten Felter: Review zu Mitternacht. In: Ox-Fanzine. Abgerufen am 28. August 2026 (Ox-Fanzine / Ausgabe #30 1998).
  6. ↑ Pressure Magazine: Dödelhaie - Oi, It’s Doitschpunk. 8. September 2013, abgerufen am 28. August 2026.
  7. ↑ Sven Grumbach: Review. In: Ox Fanzine. Abgerufen am 28. August 2026 (Ox-Fanzine / Ausgabe #92 Oktober/November 2010).
  8. ↑ DÖDELHAIE. In: underdog-fanzine.de. 6. März 2014, abgerufen am 28. August 2026 (deutsch).
  9. 1 2 3 Lord Seriousface: DÖDELHAIE - Andy Kulosa | Interview bei Stormbringer. Abgerufen am 28. August 2026.
  10. ↑ Sarah Schlüter: Duisburger Punkband lässt Holland untergehen – und geht viral. 30. Mai 2026, abgerufen am 28. August 2026.
  11. ↑ Interview mit DÖDELHAIE zum aktuellen Album „Linksextreme Hassmusik“. In: AWAY FROM LIFE. 17. Mai 2022, abgerufen am 28. August 2026.
  12. ↑ HASSMUSIK: „Wo ist die RAF, wenn man sie braucht?“ In: Der Tagesspiegel Online. 30. März 2012, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 4. April 2023]).
  13. 1 2 Dödelhaie vs. Verfassungsschutz und BpjM. In: Dödelhaie. Oktober 2012, abgerufen am 4. April 2023.
  14. ↑ aaaaaprvdgrwwelt: RamTatTa - Dödelhaie: Indizierungsantrag abgeschmettert. In: RamTatTa. 4. Oktober 2012, abgerufen am 4. April 2023.