Hudjefa I.
| Namen von Hudjefa I. | |||||||||||||||||||||||||||||||
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Kartusche des Hudjefa in der Königsliste von Sakkara[1] | |||||||||||||||||||||||||||||||
| Königspapyrus Turin (Nr.III./2) |
Ns.wt-btj Ḥ(w) ḏf3 ... rnp.t 11 jbd 8 hrw 4 (ˁḥ3-fm-3nḫ) 34 Der König von Ober- und Unterägypten, „Hudjefa“... (regierte)... für 11 Jahre, 8 Monate und 4 Tage und (lebte) 34 Jahre | ||||||||||||||||||||||||||||||
| Königsliste von Sakkara (Nr.10) |
Ḥ(w)-ḏf3 zerstört | ||||||||||||||||||||||||||||||
| Griechisch Manetho-Varianten: | Africanus: Sesochris Eusebius: fehlt Eusebius, AV: fehlt | ||||||||||||||||||||||||||||||
Hudjefa I. ist der Name eines aus dem Königspapyrus Turin und der Königsliste von Sakkara überlieferten Pseudonyms für einen altägyptischen König (Pharao), der während der 2. Dynastie für acht Jahre regiert haben soll. Hudjefa bedeutet wörtlich „ausgetilgt“ und ist kein Personenname, sondern ein Verb.[4]
Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ramessidische Abschreiber der 19. Dynastie stießen beim Kopieren von Königslisten der 2. Dynastie offenbar auf einen äußerst unsauber ausgeführten oder gar zerstörten Eintrag in ihren Vorlagen. Aufgrund der Unleserlichkeit oder Lücke wurde der tatsächliche Königsname in der Kartusche mit Hudjefa wiedergegeben.[5] Es mag sich dabei um eine Notlösung gehandelt haben: Um nicht gegen bestehende Vorgaben und Kopierregeln ihrer Zeit zu verstoßen, übernahmen die Abschreiber die Kartusche, um den Eintrag den vorgehenden (und nachfolgenden) anzugleichen und gleichzeitig als Königsnamen zu markieren. Alternativ hielten die Schreiber, die wiederum ihrerseits Kopien anfertigten, „Hudjefa“ vielleicht tatsächlich für einen Herrschernamen, weil das Wort ja von einer Kartusche umgeben war.[6]
Ägyptologen wie Donald Bruce Redford und Kim Ryholt werfen ein, wie merkwürdig es doch sei, dass der Name eines Königs vorgeblich verloren gegangen oder unleserlich gewesen sei, aber ausgerechnet die Jahresangaben (wie sie im Turiner Königspapyrus erscheinen) konnten bis auf die Lebensjahre genau niedergeschrieben werden. Ryholt wirft allerdings ein, dass der Verfasser der Turiner Königsliste möglicherweise die Herrschaftsdauer rückerrechnete, indem er die Jahresangaben der einzelnen Könige von der Gesamtdauer der jeweiligen Dynastie abzog. Dies erklärt aber nicht, aus welcher Quelle der Schreiber die Lebensdauer von Hudjefa I. herhatte.[7]
Identität
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hudjefa I. ist chronologisch schwer einzuordnen, da er zum einen nur in der Königsliste von Sakkara und im Turiner Königspapyrus in Erscheinung tritt und zum anderen sein wirklicher Königsname unbekannt ist.[8] Da bislang keinerlei archäologische Funde Hudjefas Zeit sicher zugeordnet werden können, ist nichts Konkretes über politische, kultische oder wirtschaftliche Ereignisse bekannt. Es wird jedoch allgemein angenommen, dass Hudjefa I. nur in Unterägypten regierte, da sein Name in der Sakkara-Liste erscheint, in der Königsliste zu Abydos hingegen fehlt und die Sakkara-Liste memphitische, also unterägyptische, Traditionen widerspiegelt.[9]
Der Turiner Königspapyrus bescheinigt Hudjefa I. eine Regierungsdauer von 11 Jahren, 8 Monaten und 4 Tagen, er soll außerdem 34 Jahre alt geworden sein.[10] Ägyptologen wie Thomas Schneider und Jürgen von Beckerath betrachten diese Zeitangaben als überzogen und gehen von einer Herrschaftsdauer von nur 2 Jahren aus.[8] Die Ägyptologen T. Dautzenberg und Wolfgang Helck äußerten die Vermutung, Hudjefa sei womöglich mit König (Pharao) Peribsen identisch. Ihre Mutmaßung stützt sich dabei auf den Argwohn, dass Peribsens Name aufgrund seiner religiösen Reformen zu Lebzeiten in vielen ramessidischen Königslisten weggelassen wurde, zum anderen widersprechen die im Turiner Königspapyrus angegebenen 11 Jahre einem König, von dem augenscheinlich nicht einmal der Name erhalten blieb.[11]
Alternativ wird Hudjefa I. als Gegenregent zu den Herrschern Peribsen und Sechemib angesehen. Hintergrund dieser Ansicht ist eine vermutete Reichsteilung zum Zeitpunkt des Todes von König Ninetjer. Nach einer mehrjährigen Dürre soll Ninetjer Ägypten in zwei eigenständige Hälften gespalten und unter seinen Erben aufgeteilt haben, um den dürrebedingten, wirtschaftlichen und innerpolitischen Konflikten entgegenzuwirken.[12] Zu Hudjefas Zeit hätte Ägypten somit aus zwei Landeshälften bestanden, von denen der südliche Teil von Königen wie Peribsen dominiert wurde, während im Norden neben Hudjefa I. Könige wie Sened und Neferkasokar herrschten. Beendet wurde die Reichsteilung unter König Chasechemui.[13]
Der antike Historiker Manetho erwähnt zwischen den Königen Neferkasokar („Nephercheres“) und Chasechemui („Cheneres“) einen Herrscher namens „Sesochris“, dem er 48 Jahre Regierungszeit zuspricht und ihn als „5 Ellen hoch und 3 Spannen breit“ beschreibt.[14]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Allgemeines
- Jürgen von Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. von Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-2310-7, S. 26, 39, 167, 171, 173–174, 177–178, 187.
- Alan Gardiner: Geschichte des Alten Ägypten. Weltbild, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-723-X, S. 463.
- Jochem Kahl: Inscriptional Evidence for the Relative Chronology of Dyn. 0–2. In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental studies. Section One. The Near and Middle East. Band 83). Brill, Leiden / Boston 2006, ISBN 90-04-11385-1, S. 94–115 (Online).
- Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3, S. 174.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ nach: Eduard Meyer: Aegyptische Chronologie (= Philosophische und historische Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 1904, Band 1, ZDB-ID 955708-8). Verlag der Königlichen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1904, Bildtafel I, Kartusche Nr. 10.
- ↑ Alan H. Gardiner: The royal canon of Turin. Griffith Institute, Oxford 1997, ISBN 0-900416-48-3, Bildtafel II.
- ↑ Alan H. Gardiner: The royal canon of Turin. Oxford 1997, S. 15.
- ↑ Rainer Hannig: Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch: 2800–950 v. Chr. von Zabern, Mainz 2006, S. 1284.
- ↑ Stephan J. Seidlmayer: The Relative Chronology of Dynasty 3. Brill, Leiden 2006, S. 119 u. 123.
- ↑ Hans Goedicke: King Hwḏf3? In: Journal of Egyptian Archaeology. (JEA) Band 42. Egypt Exploration Society, London 1956, S. 50–53.
- ↑ Kim Ryholt, Adam Bülow-Jacobsen: The Political Situation in Egypt During the Second Intermediate Period, C. 1800-1550 B.C. Museum Tusculanum Press, Kopenhagen 1997, ISBN 87-7289421-0, S. 10–14.
- 1 2 Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. 2. Auflage, von Zabern, Mainz 1999, ISBN 3-8053-2591-6, S. 48 & 283.
- ↑ Walter Bryan Emery: Ägypten, Geschichte und Kultur der Frühzeit, 3200–2800 v. Chr. Fourier, München 1964, ISBN 3-921695-39-2, S. 19.
- ↑ Alan H. Gardiner: The royal canon of Turin. Oxford 1997, S. 15 & Bildtafel II.
- ↑ Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit (= Ägyptologische Abhandlungen. Band 45). Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4, S. 125.
- ↑ Barbara Bell: Oldest Records of the Nile Floods. In: Geographical Journal. Band 136, 1970, S. 569–573 / Hans Goedicke in: Journal of Egypt Archaeology. Band 42, 1998, S. 50.
- ↑ Hermann Alexander Schlögl: Das Alte Ägypten: Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis zu Kleopatra. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54988-8, S. 77–78.
- ↑ William Gillian Waddel (Manéthon, historien): Manetho (= Loeb classical library. Band 350). W. Heinemann, London 1964 / Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 1964, S. 71.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Neferkasokar | König von Ägypten 2. Dynastie | Bebtj |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hudjefa I. |
| ALTERNATIVNAMEN | Hu-djefa |
| KURZBESCHREIBUNG | altägyptischer König der 2. Dynastie (um 2736 v. Chr. – um 2734 v. Chr.) |
| GEBURTSDATUM | 28. Jahrhundert v. Chr. |
| STERBEDATUM | 28. Jahrhundert v. Chr. |