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Joachim Perels

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Joachim Perels (* 31. März 1942 in Berlin; † 27. September 2026 in Hannover[1]) war ein deutscher Politikwissenschaftler. Er lehrte von 1983 bis 2007 als Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Hannover.

Joachim Perels war der Sohn des 1945 hingerichteten Widerstandskämpfers Friedrich Justus Perels und Enkel des in Sippenhaft gestorbenen Historikers Ernst Perels. Er studierte an den Universitäten Frankfurt am Main und Tübingen Rechtswissenschaften, Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaft. Prägende akademische Lehrer und Vorbilder waren Rudolf Wiethölter, Wolfgang Abendroth und Ernst Bloch.[2] Nach dem 1967 bestandenen ersten juristischen Staatsexamen wurde er Hilfsassistent am Institut für Wirtschaftsrecht der Universität Frankfurt. Von 1968 bis 1974 war er Redakteur der vom Bruderrat der EKD und Martin Niemöller herausgegebenen Zeitschrift Die Stimme der Gemeinde sowie 1968 Mitbegründer und seither Redakteur der Zeitschrift Kritische Justiz. Mit einer von Wiethölter betreuten Arbeit zu Kapitalismus und politische Demokratie. Privatrechtsystem und Gesellschaftsstruktur in der Weimarer Republik wurde er 1973 von der juristischen Fakultät der Universität Frankfurt promoviert.[3]

Ab 1971 war Perels an der damaligen Technischen Universität Hannover tätig, erst als Verwalter einer wissenschaftlichen Assistentenstelle am Seminar für Wissenschaft von der Politik, ab 1975 als Akademischer Rat, 1976 als Akademischer Oberrat. 1978 habilitierte er sich ebenfalls in Hannover im Fach Politische Wissenschaft. Seit 1983 war er bis zu seiner Emeritierung 2007 Professor für Politische Wissenschaft an der 2006 umbenannten Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover. In dieser Zeit war er mehrmals geschäftsführender Direktor des Instituts für Politische Wissenschaft und von 1999 bis 2005 Mitglied des Senats der Universität Hannover.

Seine Arbeitsgebiete waren die demokratische Verfassungstheorie, die Herrschaftsstruktur des Staatssozialismus, die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, die Nachwirkungen des NS-Systems in der Bundesrepublik Deutschland, die Ahndung von Staatsverbrechen und die politischen Implikationen der Theologie.

Neben seiner universitären Tätigkeit war Joachim Perels langjähriger Redakteur der von ihm mitbegründeten Zeitschrift Kritische Justiz. Er gehörte von 1992 bis 2004 dem wissenschaftlichen Gedenkstättenbeirat des Landes Niedersachsen an und war Sprecher der Regionalgruppe Hannover des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie. Von 2000 bis 2006 war er Mitglied und ab 2001 Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Fritz Bauer Instituts. Von 2001 bis 2008 wirkte er in der vom Land Niedersachsen berufenen internationalen Expertenkommission für den Ausbau der Gedenkstätte Bergen-Belsen mit. Von 2004 bis 2010 war Perels zudem stellvertretender Direktor des Instituts für Föderalismusforschung.

Die Humanistischen Union verlieh Perels 2012 den Fritz-Bauer-Preis.[4]

Joachim Perels starb am 27. September 2026 im Alter von 84 Jahren.

Schriften (Auswahl)

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  • Demokratie und soziale Emanzipation. Beiträge zur Verfassungstheorie der bürgerlichen Gesellschaft und des Sozialismus. VSA-Verlag, Hamburg 1988, ISBN 3-87975-414-4.
  • mit Michael Buckmiller (Hrsg.): Opposition als Triebkraft der Demokratie. Bilanz und Perspektiven der zweiten Republik. Jürgen Seifert zum 70. Geburtstag. Offizin, Hannover 1998, ISBN 978-3-930345-13-7.
  • Das juristische Erbe des „Dritten Reiches“. Beschädigungen der demokratischen Rechtsordnung. Campus-Verlag, Frankfurt am Main / New York 1999, ISBN 3-593-36318-6.
  • Der Rechtsradikalismus – ein Randphänomen? Kritische Analysen. Offizin, Hannover 2003, ISBN 3-930345-40-4 (mit Michael Buckmiller).
  • Entsorgung der NS-Herrschaft? Konfliktlinien im Umgang mit dem Hitler-Regime. Offizin, Hannover 2004, ISBN 3-930345-42-0.
  • Befreiung aus gesellschaftlicher Unmündigkeit. Beiträge zur Geschichte und Theorie der Arbeiterbewegung. Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2011, ISBN 978-3-631-61090-9.
  • „Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen“. Beiträge zur Theologie. Peter Lang Edition, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-631-62019-9.
  • Der Nationalsozialismus als Problem der Gegenwart. Peter Lang Edition, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-631-62068-7.
  • als Herausgeber: Martin Niemöller. Gewissen vor Staatsräson. Ausgewählte Schriften. Wallstein, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1700-0.
  • Ansichten und Lebensstationen eines kritischen Gewissens. Gespräche, aufgezeichnet, bearbeitet und herausgegeben von Martin Arends, Edition coram deo, Vöhrum 2022, ISBN 978-3-947441-02-0.
  • Thomas Blanke: Joachim Perels – Christentum, Judentum und Sozialismus. Stichworte zur »vita academica«. In: Kritische Justiz, Jahrgang 40 (2007), Heft 2, S. 193–195 (online (PDF; 313 kB), abgerufen am 30. Januar 2023).

Einzelnachweise

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  1. ↑ In ehrender Erinnerung – Wir trauern um Joachim Perels. In: fritz-bauer-institut.de. 30. September 2026, abgerufen am 30. September 2026.
  2. ↑ Joachim Perels: Ansichten und Lebensstationen eines kritischen Gewissens, Verlag Edition coram deo.
  3. ↑ Berufsbiografische Informationen basieren auf: Joachim Perels, Lebenslauf, Universität Hannover (Memento vom 10. August 2016 im Internet Archive).
  4. ↑ Verleihung des Fritz-Bauer-Preises 2012 an Joachim Perels, Humanistische Union, abgerufen am 10. August 2016.