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Lori Marino

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Lori Marino ist eine US-amerikanische Neurowissenschaftlerin und vergleichende Psychologin. Sie war Dozentin für Neurowissenschaften und Verhaltensbiologie an der Emory University und ist Lehrbeauftragte im Fachbereich Tierstudien an der New York University sowie Gründerin des Kimmela Center for Animal Advocacy[1] und Co-Direktorin des Animal Law and Science Project an der George Washington University.[2][3]

Ihren Bachelor-Abschluss erwarb sie 1982 in Psychologie mit Nebenfach Biologie an der New York University. 1989 folgte ein Master of Arts (M.A.) in Experimenteller Psychologie an der Miami University in Ohio. 1995 promovierte sie an der University at Albany, The State University of New York in Biopsychologie. Der Titel ihrer Dissertation lautete: Brain-behavior relationships in cetaceans and primates: Implications for the evolution of complex intelligence.[4]

Von 1997 bis 2014 arbeitete sie in Forschung und Lehre an der Emory University in Atlanta. Sie begann ihre Berufslaufbahn als Dozentin für Neurowissenschaften und Verhaltensbiologie, stieg zur Senior Lecturer auf und forschte parallel am Living Links Center des Yerkes National Primate Research Center. Zudem war sie Fakultätsmitglied am universitären Zentrum für Ethik der Emory University. Parallel arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am National Museum of Natural History der Smithsonian Institution. Dort analysierte sie hunderte fossiler Walschädel, um die Evolution des Gehirns über 50 Millionen Jahre hinweg zu rekonstruieren. Heute lehrt sie als Adjunct Professor im Bereich Animal Studies an der New York University.[5]

Sie wurde die Präsidentin des Whale Sanctuary Project, dessen Ziel es ist, die ersten Meeresschutzgebiete für Orcas und Belugawale in Nordamerika zu schaffen. Zudem ist sie Gründerin und Geschäftsführerin des Kimmela Center for Animal Advocacy, das sich darauf konzentriert, die Kluft zwischen akademischer Forschung und praktischen Tierschutzbemühungen zu überbrücken.

Sie wirkte in mehreren Filmen und Fernsehsendungen mit, darunter die Dokumentation „Blackfish“ (2013) über die Haltung von Orcas in Gefangenschaft, „Unlocking the Cage“ (2016) über das Nonhuman Rights Project und „Long Gone Wild“ (2019), die die Geschichte von „Blackfish“ fortsetzt und die Arbeit des Whale Sanctuary Project einleitet.

Sie ist eine Expertin für Tierverhalten und Intelligenz. Weltweit bekannt wurde sie für ihre bahnbrechenden Forschungen zur Gehirnevolution und Kognition von Walen und Delfinen sowie für Vergleiche mit Primaten. Unter anderem hat sie zu den Themen vergleichende Hirnanatomie, Selbstbewusstsein bei Tieren, Mensch-Tier-Beziehungen und die Evolution der Intelligenz gearbeitet und die verheerenden Auswirkungen von Gefangenschaft auf Meeressäuger nachgewiesen. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihr Wissen über diese Tiere zu nutzen, um sich für ihren Schutz und ihr Wohlergehen einzusetzen und kritisiert etwa die Delfintherapie und weitere Bildungsversprechen der Zoo- und Aquarienbranche.

Zwischen 1998 und 2021 veröffentlichte sie mit ihrem damaligen Ehemann Scott Lilienfeld mehrere Arbeiten zur Identifizierung von Persönlichkeitsmerkmalen bei Schimpansen, die nächsten evolutionären Verwandten des Menschen. Bis dahin wurde Tieren die Fähigkeit zu Persönlichkeit und individuellen Unterschieden abgesprochen. Mit dem Experten für Tierpersönlichkeit, Samuel D. Gosling, konnten sie die Grundlagen für Schlüsselkonzepte und Definitionen von Persönlichkeit schaffen und ein Rahmenwerk zur Bewertung von Belegen für Persönlichkeitsmerkmale bei Schimpansen entwickeln, ebenso eine Liste von Kriterien zur Beurteilung von Persönlichkeit über verschiedene Arten hinweg. Dabei diskutierten sie auch Kriterien für normales und abnormales Verhalten bei anderen Arten, insbesondere bei anderen Primaten und entwickelten Validierungsmethoden zur Beurteilung des Konstrukts Psychopathie bei Schimpansen. Sie konnten damit zeigen, dass Schimpansen grundlegende Persönlichkeitsmerkmale mit Menschen teilen und dass sie auch mit komplexen psychopathologischen Persönlichkeitsfaktoren übereinstimmen.

Mit Scott Lilienfeld publizierte sie jahrzehntelang über die weltweit verbreitete Pseudowissenschaft der sogenannten Delfintherapie (DAT). Diese tiergestützte Therapie basiert auf der Behauptung, dass Schwimmen oder die Interaktion mit Delfinen bei einer Vielzahl von Erkrankungen, darunter Autismus, Entwicklungsverzögerungen, Lähmungen, Down-Syndrom und viele andere, einschließlich Krebs und Infektionskrankheiten, therapeutisch wirksam sei. Sie vermuteten bald, dass es sich um eine weitere Form jener Mythen und Scharlatanerie handelte, die sich seit den Äußerungen des verstorbenen Neurowissenschaftlers John Cunningham Lilly und seiner Anhänger ab den 1960er-Jahren über Delfine, Telepathie, Engel und Außerirdische um Delfine gebildet hatten. Delfine waren zum Inbegriff der pseudowissenschaftlichen New-Age-Bewegung geworden. Sie konnten zeigen, dass die Behauptungen zur Wirksamkeit des DAT durch mehrere schwerwiegende Gefährdungen der internen und externen Validität sowie durch fehlerhafte Datenanalysemethoden der dazu vorgelegten Studien in Frage zu stellen waren, wodurch die Behauptungen letztendlich nicht haltbar waren. Sie veröffentlichten auch Arbeiten zur schwachen Validität des DAT für Autismus und andere Entwicklungsstörungen und zeigten wiederholt, dass die DAT als legitime Therapie für keine Krankheit irgendeinen Nutzen hat.

Im Jahr 2001 publizierte sie zusammen mit Diana Reiss eine bahnbrechende Studie, die Beweise für die Spiegel-Selbsterkennung bei Großen Tümmlern lieferte, eine Fähigkeit, die man anhin nur Menschen und Menschenaffen zugeschrieben hat. Damit lieferte sie erstmals den wissenschaftlichen Nachweis für ein ausgeprägtes Selbsterkenntnisvermögen bei Nicht-Primaten. Daraufhin entschied sie sich gegen weitere Forschungen mit Delfinen in Gefangenschaft und vollzog den Wandel von der reinen Labor- und Feldwissenschaftlerin zur engagierten Tierschützerin und setzt sich seitdem vehement gegen die Haltung von Walen und Delfinen in Freizeitparks ein. Sie wurde Gründerin und Präsidentin des Whale Sanctuary Project, welches das Ziel verfolgt, die ersten küstennahen Meeres-Schutzzentren für Orcas und Belugawale in Nordamerika zu errichten. Als Gründerin und Geschäftsführerin des Kimmela Center for Animal Advocacy schlägt sie eine Brücke zwischen akademischer Wissenschaft und praktischem Tierschutz. Gemeinsam mit Kathy Hessler leitet sie das Animal Law and Science Project an der George Washington University, um wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Rechtsprechung zum Schutz von Tieren einfließen zu lassen.

Ehrungen/Positionen

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  • 2026: Beraterin für Meeresgesundheit des Educated Choices Program (ECP)[6]
  • 2026: Frank Drake Award des SETI-Instituts (Search for Extraterrestrial Intelligence) für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Erforschung von Leben und Intelligenz im Universum[7]
  • 2002: International Travel Award des Institutes for International Travel and Comparative Studies, Emory University
  • Animal Behavior Society Symposium Grant
  • Faculty Development Award, Emory University
  • Visiting Research Award des National Museum of Natural History, The Smithsonian Institution
  • 2011: Herausgeberbeirat von „Society and Animals“
  • Herausgeberbeirat von „Anthrozoos“
  • 2003 – 2008: Herausgeberbeirat von „International Journal of Comparative Psychology“

Ihren früheren Ehemann Scott Lilienfeld (1960–2020) lernte sie 1990 an der State University of New York in Albany kennen, als sie Doktorandin in Biopsychologie war. Das Paar heiratete 1992 im Norden des Bundesstaates New York und zog 1994 an die Emory University. Zwischen 1998 und 2021 veröffentlichten sie gemeinsam zahlreiche wissenschaftliche Artikel; in einigen dieser Artikel ging es um die Identifizierung von Persönlichkeitsmerkmalen bei Schimpansen und sie entwickelten Validierungsmethoden zur Beurteilung des Konstrukts Psychopathie bei Schimpansen. 2004 ließen sie sich scheiden, blieben aber bis zu seinem Tod enge Freunde und Kollegen.[8]

Publikationen (Auswahl)

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Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
  • Putative neural consequences of captivity for elephants and cetaceans. In: Reviews in the neurosciences, 2022, 33 (4), S. 439–465.
  • Mit Scott O. Lilienfeld: Third time’s the charm or three strikes you’re out? An updated review of the efficacy of dolphin-assisted therapy for autism and developmental disabilities. In: Journal of Clinical Psychology, 2021, S. 1–15.
  • Mit S. O. Lilienfeld: Does dolphin assisted therapy have healing effects? In: S. Hupp (Hrsg.): Pseudoscience in child and adolescent psychotherapy (S. 37–39). Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-107-17531-0.
  • Thinking chickens: a review of cognition, emotion, and behavior in the domestic chicken. In: Animal cognition, 2017, S. 1–21.
  • Mit Jessica Preslar; Howard I. Kushner; Bradley Pearce: Autism, lateralisation, and handedness: A review of the literature and meta-analysis. In: Laterality, 2013, 19 (1), S. 64–95.
  • Mit Frances Gulland; E.C.M. Parsons: Protecting Wild Dolphins and Whales: Current Crises, Strategies, and Future Projections. In: Journal of Marine Biology, 2012, 934048.
  • Mit T. Frohoff: Towards a New Paradigm of Non-Captive Research on Cetacean Cognition. In: PLoS ONE, 2011, 6 (9), e24121.
  • Mit S. O. Lilienfeld; R. Malamud; N. Nobis; R. Broglio: Strong claims, feeble evidence: A Rejoinder to Falk et al. (2010) . In: Society and Animals, 2011, 19, S. 291–293.
  • Mit Scott O. Lilienfeld; Randy Malamud; Nathan Nobis; Ron Broglio: Do Zoos and Aquariums Promote Attitude Change in Visitors? A Critical Evaluation of the American Zoo and Aquarium Study. In: Society and Animals, 2010, 18 (2).
  • Dolphin Research: Arguing Against Captivity. In: Science, 2011, 333 (6041), S. 405.
  • Mit Diana K. Sarko; Daryl P. Domning; Roger L. Reep: Estimating body size of fossil sirenians. In: Marine Mammal Science, 2010, 26 (4), S. 937–959.
  • Mit Scott O. Lilienfeld; R. Malamud; N. Nobis; R. Broglio: Do zoos and aquariums promote attitude change in visitors? A critical evaluation of the American Zoo and Aquarium study. In: Society and Animals, 2010, 18, S. 126–138.
  • The use of nonhuman animals in R-HET is our own moral litmus test. In: AJOB Neuroscience, 2010, 1 (2), S. 58–59.
  • Mit Scott O. Lilienfeld; Randy Malamud; Nathan Nobis; Ron Broglio: Do Zoos and Aquariums Promote Attitude Change in Visitors? A Critical Evaluation of the American Zoo and Aquarium Study. In: Society and Animals, 2010, 18 (2).
  • Mit Camilla Butti; Richard Connor; Hal Whitehead: A claim in search of evidence: Reply to Manger's thermogenesis hypothesis of cetacean brain structure. In: Biological reviews of the Cambridge Philosophical Society, 2008.
  • Mit L. Marino: Dolphin assisted therapy: More flawed data, more flawed conclusions. In: Anthrozoos, 2007, 20, S. 239–249.
  • Mit Scott Lilienfeld: Dolphin assisted therapy for autism and other developmental disorders: A dangerous fad. Psychology in Intellectual and Developmental Disabilities (Division 33). In: American Psychological Association, 2007, 33 (2), S. 2–3.
  • Mit S. Gosling; S. O. Lilienfeld: Personality. In: D. Maestripieri (Hrsg.): Primate psychology: The mind and behavior of human and nonhuman primates (S. 254–288). University of Chicago Press, Chicago 2003, ISBN 0-674-01847-8.
  • Mit D. Reiss: Mirror self-recognition in the bottlenose dolphin: A case of cognitive convergence. In: Proceedings of the National Academy of Sciences, 2001, 98 (10), S. 5937–5942.
  • Mit S. O. Lilienfeld: Essentialism revisited: Evolutionary theory and the concept of mental disorder. In: Journal of Abnormal Psychology, 1999, 108 (3), S. 400–411.
  • Mit J. Gershon; M. Duke; Scott Lilienfeld; F. B. M. de Waal: A preliminary investigation of the construct of psychopathic personality (psychopathy) in common chimpanzees (Pan troglodytes) . In: Journal of Comparative Psychology, 1999, 113, S. 365–375.
  • Mit Scott Lilienfeld: Dolphin-assisted therapy: Flawed data, flawed conclusions. In: Anthrozoos, 1998, 11 (4), S. 194–200.
  • Mit S. O. Lilienfeld: Mental disorder as a Roschian concept: A critique of Wakefield’s harmful dysfunction analysis. In: Journal of Abnormal Psychology, 1995, 104 (3), S. 411–420.

Einzelnachweise

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  1. ↑ The Kimmela Center. Scholarship-based animal advocacy, abgerufen am 25. Juni 2026.
  2. ↑ Lori Marino. Founder and President auf The Whale Sanctuary Project, abgerufen am 26. Juni 2026.
  3. ↑ Lori Marino: Founder & Executive Director - the Kimmela Center for Animal Advocacy auf Center for Human Nature, abgerufen am 26. Juni 2026.
  4. ↑ Curriculum Vitae: Lori Marino (PDF; 0,3 MB) auf Kimmela Center for Animal Advocacy, abgerufen am 26. Juni 2026.
  5. ↑ Lori Marino. Adjunct Faculty. Biography auf Vermont Law and Graduate School, abgerufen am 26. Juni 2026.
  6. ↑ ECP Welcomes Renowned Neuroscientist Lori Marino, Ph.D., as Ocean Health Advisor vom 11. April 2026, auf Educated Choices Program, abgerufen am 26. Juni 2026.
  7. ↑ SETI Institute Names Lori Marino as 2026 Drake Award Recipient auf SETI, abgerufen am 25. Juni 2026.
  8. ↑ Lori Marino: Toward a Science of Clinical Psychology: A Tribute to the Life and Works of Scott O. Lilienfeld. Springer International Publishing, Cham 2022, ISBN 978-3-031-14332-8, Scott Lilienfeld: Friend, Colleague, Champion of Science, S. 19–29, doi:10.1007/978-3-031-14332-8_2.