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Römische Marschlager in Sachsen-Anhalt

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(Weitergeleitet von Marschlager Trabitz)

Die Römischen Marschlager in Sachsen-Anhalt sind vier temporäre römische Militärlager, die auf das 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung datiert werden. Die Entdeckung gaben das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle am 15. Januar 2026 bekannt.

Befunde und Funde

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Die bisherigen Befunde befinden sich in Aken nahe der Elbe im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, in Deersheim im Landkreis Harz und in Trabitz im Salzlandkreis. Sie wurden durch ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger und Luftbildarchäologen entdeckt, durch geophysikalische Messungen und systematische Begehungen bestätigt und schließlich durch Sondierungsgrabungen in den Sommern 2024 und 2025 definitiv nachgewiesen.[1]

Schon 2020 war es dem ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Michael Barkowski gelungen, via Satellitenphoto ein potenzielles Marschlager bei Aken zu ermitteln. Das Landesdenkmalamt konnte in der Folge durch den Archäologen Ralf Schwarz die südwestliche Ecke des Lagers und eine Grabenunterbrechung mit Titulum auf der Südseite identifizieren. Ein Titulum (Mehrzahl: Titula) ist ein vorgelagertes Grabenstück an Grabenunterbrechungen vor den Eingangstoren römischer Militärlager, das als Annäherungshindernis diente, um den direkten Zugang zum Lagertor zu erschweren. Bei den Testgrabungen konnte der noch bis zu einer Breite von 1,75 m und einer Tiefe von 1,55 m erhaltene, für römische Militärlager typische Spitzgraben erfasst werden. Nach der Entdeckung des zweiten Akener Lagers erhielt das erstentdeckte Kastell den Namen „Lager Aken 1“.[1]

In der zweiten Jahreshälfte 2024 identifizierte der Archäologe Martin Freudenreich auf digitalen Orthofotos des Landesamts für Vermessung und Geoinformation ein weiteres potenzielles Marschlager. Nicht nur die geraden Grabenverläufe der Lagerseiten, sondern auch die für römische Militärlager typischen abgerundeten Lagerecken waren auf den Photographien zu erkennen. Vor Ort wurde bei den Ausgrabungen ebenfalls ein Spitzgraben mit einer Restbreite von 1,8 m und einer Resttiefe von 1,5 m bis 1,6 m nachgewiesen, im Südosten des Lagerareals zusätzlich der Kopf des Grabens (Grabenkopf), der Teil einer Grabenunterbrechung gewesen sein könnte.[1]

Lager Deersheim

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Das „Lager Deersheim“ wurde ebenfalls in der zweiten Hälfte des Jahres 2024 und wiederum von Martin Freudenreich auf digitalen Orthophotos identifiziert. Erneut zeigten sich nicht nur die geraden Grabenverläufe, sondern auch die gerundeten Grabenecken. Die Grabungen ergaben, dass der Spitzgraben, der eine ursprüngliche Breite von 1,5 m bis 1,7 m besessen hatte, nur etwa einen Meter in den anstehenden Kalkstein bzw. dessen Verwitterungshorizont eingetieft war.[1]

Bereits im Jahr 2023 hatte Martin Freudenreich auf Orthophotos ein weiteres potenzielles Marschlager bei Trabitz ausgemacht. Auch der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger René Hoffmann erkannte diese Strukturen und meldete sie dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Bei den Prospektionen zeigten sich ein weiteres Titulum und die abgerundeten Lagerecken. Bei den Ausgrabungen im „Lager Trabitz“ gelang es, mit einem zehn Meter langen Grabungsschnitt einen 1,7 m breiten und 1,2 m tiefen Spitzgraben nachzuweisen.[1]

Funde, Datierung, Interpretation und historischer Hintergrund

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Durch die bisherigen Untersuchungen konnte bestätigt werden, dass es sich bei allen vier Anlagen um römische Marschlager handelt. Die Stand Januar 2026 vorliegenden Funde sowie Radiocarbondatierungen sprechen für eine Anlage der Lager zu Beginn des 3. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. Ein Denar des Caracalla aus Trabitz stellt derzeit die Schlussmünze dar. Dies lässt eine Errichtung der Kastelle im Kontext des Germanenfeldzugs des Caracalla im Sommer 213 u. Z. möglich erscheinen, womit dieser Feldzug neu bewertet werden müsste. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt kündigte an, die Forschungen „mit hoher Intensität“ fortzusetzen, und verspricht sich völlig neue Erkenntnisse zur Präsenz römischer Truppen in dieser Region. Lange Zeit war die Fachwelt davon ausgegangen, dass sich die römischen Ambitionen bezüglich Germaniens nach der Clades Variana und den Germanicus-Feldzügen erledigt hätten und die in den antiken Quellen erwähnten späteren Feldzüge bestenfalls grenznahe Operationen gewesen seien. Diese Hypothese wurde erstmals durch die Entdeckung des Harzhornereignisses im Jahr 2008 erschüttert. Nach dessen Entdeckung und der des Marschlagers bei Hachelbich im Jahr 2009 liegen mit den oben skizzierten Befunden nunmehr insgesamt sechs Fundplätze vor, die für militärische Aktivitäten der Römer in der tiefsten Germania magna noch im dritten Jahrhundert sprechen. Der Hintergrund hierfür mag sein, dass es zu Beginn des 3. Jahrhunderts innerhalb Germaniens zu grundlegenden Veränderungen gekommen war, bei denen sich neue Stammesverbände gebildet hatten, die ab dem Jahr 233 das Imperium Romanum bedrohten.[1]

  • Martin Freudenreich: Geoinformationen – Grundbausteine im Umgang mit archäologischen und historischen Quellen. In: Konnex, Zeitschrift für Regional- und Heimatforschung Sachsen-Anhalt, Nr. 1, 2024 (Digitalisat).

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 Erste römische Marschlager in Sachsen-Anhalt entdeckt. Fundplätze zwischen Nordharz und Elbe belegen römische Vorstöße im 3. Jahrhundert nach Christus; Presseinformation des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und des Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) vom 15. Januar 2026, abgerufen am 16. Januar 2026.

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