Martinus Gosia

Martinus Gosia (* um 1100 in Bologna; † um 1167) war ein italienischer Jurist, Rechtsprofessor in Bologna und bedeutender Vertreter der Schule der Glossatoren. Aufgrund seiner fundierten Rechtskenntnisse erhielt er den Beinamen Copia legum (Fülle der Gesetze).[1] Neben Bulgarus, Hugo de Porta Ravennate und Jacobus de Boragine war er einer der Vier Doktoren von Bologna (lateinisch Quatuor Doctores), die zur ersten Generation von Schülern des Irnerius von Bologna gehörten.[2][3][4]
Obwohl Bulgarus und Martinus gegensätzliche Ansätze bei der Glossenbildung verfolgten, blieben beide Methoden bis zur Abfassung der Glosa ordinari in der Mitte des 13. Jahrhunderts in Gebrauch.
Während Bulgarus Texte zumeist wörtlich auslegte und das ius strictum bevorzugte, wandte Martinus häufig den Grundsatz der Gerechtigkeit (lateinisch aequitas) an und neigte somit eher zu einer freien Auslegung der Quellen. Die Schule des Bulgarus – nostri doctores (deutsch unsere Doktoren) – behielt in Bologna weiterhin die Oberhand, während die Anhänger des Martinus, die als Gosiani bekannt wurden, vor allem außerhalb von Bologna anzutreffen waren, insbesondere in Südfrankreich, wo sie das Studium des römischen Rechts beeinflussten.[5]
- Distinctio de interesse, Manuskript aus dem 12. Jahrhundert (Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Codices (Altbestand), Cod. 2176 (antea Jus civ. 192). – secolo 13. – ff. 166).
- Dekretalen mit der Glossa ordinaria.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Giorgio Tamba: Gosia, Martino. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 58: Gonzales–Graziani. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2002.
- Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste in alphabetischer folge von genannten Schriftstellern, bearbeitet und herausgegeben von J. S. Ersch und J. G. Gruber, 1862, J. f. Gleditsch S. 13
- Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter, Band 6, Friedrich Carl von Savigny, 1831 S. 511
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Martinus Gosia – Italian Jurist. In: Britannica. Abgerufen am 6. August 2026 (englisch).
- Martinus. In: amesfoundation.law.harvard.edu. 2. Januar 2024, abgerufen am 18. August 2026 (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Pandekten, Band 1, von Heinrich Dernburg, 1884 S. 31
- ↑ Johannes Wilhelmus Wessels, Michael H. Hoeflich: History of the Roman-Dutch Law. African Book Co, Grahamstown, Cape Colony, South Africa 1908, S. 115 (englisch, archive.org [abgerufen am 16. August 2026]).
- ↑ Robert Aleander: The four doctors and the spread of the Bolognese method. In: The University History Archive. 2. März 2026, abgerufen am 16. August 2026 (englisch).
- ↑ Coversations-Lexikon − Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände, Band 7, Leipzig 1877, F. A. Brockhaus S. 389
- ↑ The New Cambridge Medieval History, von David Luscombe und Jonathan Riley-Smith, The development of law, von Peter Landau, 1995, University of Cambridge S. 124. (eingeschränkte Vorschau)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gosia, Martinus |
| ALTERNATIVNAMEN | Copia legum |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Glossator |
| GEBURTSDATUM | um 1100 |
| GEBURTSORT | Bologna |
| STERBEDATUM | um 1167 |
| STERBEORT | Bologna |