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Misanthropie

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Der Misanthrop wird von der Welt beraubt, Pieter Brueghel dem Älteren (Tempera magra auf Leinwand, 86 × 85 cm, um 1568) – einem ältere Mann in Schwarz mit Kapuze, der so in Gedanken versunken ist, dass er weder wie die Welt (im Globus Cruciger) hinter sich bemerkt, die seinen Beutel abschneidet, noch die vierzackigen Fußangeln vor sich – Bildunterschrift auf Altflämisch: Weil die Welt so tückisch ist / Darum gehe ich in Trauer.[1]

Misanthropie (von altgriechisch μισεῖν miseín „hassen, ablehnen“ und ἄνθρωπος ánthrōpos „Mensch“), Menschenhass oder Menschenfeindlichkeit ist die Weltanschauung einer Person, die Menschen hasst oder deren Nähe ablehnt. Aus dem gleichbedeutenden französischen misanthrope (daher zunächst in französischer Schreibweise), das durch Molières Komödie (1666) bekannt wird. Eine Entlehnung (Rabelais, 1552), gebildet als Antonym zu altgriechisch φιλάνθρωπος philánthrōpos ‘menschenfreundlich, gütig, Menschenfreund’, woraus Philanthrop ‘Menschenfreund, Wohltäter’ (18. Jh.), französisch philanthrope (14. Jh.) entstand. Die griech.-lat. Form Misanthropus ist vereinzelt bereits im 16. Jh. im Deutschen belegt.[2]

Begriffliche Abgrenzung

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Misanthropie charakterisiert eine Geisteshaltung, keine Handlungsweise. Ein Misanthrop muss weder gewalttätig, aggressiv noch arrogant sein, altruistisches Handeln ist bei ihm nicht ausgeschlossen. Bei extremen Fällen von Abscheu dem Menschen gegenüber sondert sich der Misanthrop ab und führt ein Einsiedlerdasein. Diese selbst gewählte Isolation ist von pathologischer Menschenscheu zu unterscheiden, bei der trotz des Wunsches danach keine Nähe zur umgebenden menschlichen Gemeinschaft erreicht werden kann.[3]

Immanuel Kant verurteilte in seiner Allgemeinen Anmerkung zur Exposition der ästhetischen reflektierenden Urteile die Misanthropie:

„Dagegen ist Menschen zu fliehen, aus Misanthropie, weil man sie anfeindet, oder aus Anthropophobie (Menschenscheu), weil man sie als seine Feinde fürchtet, teils hässlich, teils verächtlich.“

Arthur Schopenhauer äußerte sich häufiger in misanthropischer Weise, etwa im Stachelschwein-Gleichnis:

„So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab.“

Das Gefängnisgebäude am Rathaus und Gerichtsgebäude, Martinus Rørbye (Öl auf Leinwand, 63 × 47,5 cm, aus dem Jahr 1831), Gemälde des dänischen Künstlers Martinus Rørbye, das in die Epoche des Goldenen Zeitalters fällt, zeigt Menschen, die im rückwärtigen Bereich des Kopenhagener Nytorv, im Vordergrund einen in einem Mantel gehüllten Mann, der – selbst am helllichten Tag – eine Laterne trägt: den Misanthropen

In der Literatur wurde Misanthropie unter anderem von den Dramatikern Menandros (Dyskolos, deutsch Der Griesgram oder Der Menschenfeind), Shakespeare (Timon of Athens, deutsch Timon von Athen), Molière (Le Misanthrope, deutsch Der Menschenfeind) und Schiller (Der versöhnte Menschenfeind) behandelt, ebenso etwa von dem Satiriker Lukian von Samosata (Timon). Auch die ersten Romane Thomas Bernhards, vor allem Frost und Verstörung, sind in ihren Grundzügen und Betrachtungen der Umwelt tief misanthropisch. Der norwegische Autor Matias Faldbakken veröffentlichte mit seinen Werken Cocka Hola Company, Macht und Rebel und Unfun seine Skandinavische Misantrophie-Trilogie.

Übersichtsdarstellungen
Untersuchungen
Commons: Misanthropie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Misanthropie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Todd M. Richardson: Pieter Bruegel the Elder: Art Discourse in the Sixteenth-century Netherlands. Ashgate Publishing, 2011 (englisch, google.com).
  2. Misanthropie – Schreibung, Definition, Bedeutung, Etymologie, Synonyme, Beispiele. 9. Juni 2021, abgerufen am 30. Mai 2024.
  3. Was sind Misanthropen und wie erkennt man sie? Abgerufen am 30. Mai 2024.