Operation Trest
Operation Trest (russisch: операция „Трест“, romanisiert: operatsiya „Trest“)[1] war eine Spionageabwehroperation des Staatlichen Politischen Direktorats (GPU) der Sowjetunion. Die von Tscheka, dem Vorgänger der GPU, ins Leben gerufene Operation, lief von 1921 bis 1927[2] und gründete eine gefälschte antibolschewistische Widerstandsorganisation, die Monarchistische Union Zentralrusslands (MUCR) (Монархическое объединение Центральной России, МОЦР), um der OGPU (dt. Vereinigte Staatliche Politische Verwaltung) dabei zu helfen, echte Monarchisten und Antibolschewiki in der Sowjetunion und im Ausland zu identifizieren.[3] Eine gegründete Tarnfirma trug den Namen Moskauer Städtische Kreditvereinigung.[4]
Leiter der MUCR war Alexander Jakuschew, ein ehemaliger Beamter des Kommunikationsministeriums des Russischen Kaiserreichs. Nach der Russischen Revolution trat er in den Dienst des Volkskommissariats für Außenhandel, als die Sowjets begannen, ehemaligen Fachleuten (russ. „Spetsy“}) zu gestatten, ihre früheren Positionen wieder einzunehmen. Diese Stellung ermöglichte es ihm, ins Ausland zu reisen und Kontakt zu russischen Emigranten aufzunehmen. Jakuschew wurde aufgrund seiner Kontakte zur im Exil lebenden „Weißen Bewegung“ verhaftet. Im selben Jahr seiner Verhaftung wurde er von Artur Artusow, einem Vertreter der sowjetischen Geheimpolizei, angeworben.
Die MUCR hielt den monarchistischen General Alexander Kutepow von aktiven Kampfhandlungen ab, indem man ihn davon überzeugte, die Entwicklung interner antibolschewistischer Kräfte abzuwarten. Zuvor hatte Kutepow militante Aktionen als Lösung gegen die sowjetische Herrschaft befürwortet und die „Kampforganisation“ gegründet – eine militante Abspaltung der Russischen All-Militärischen Union (russ. Русский Обще-Воинский Союз, *Russkiy Obshche-Voinskiy Soyuz*), der von General Baron Pjotr Wrangel geführt wurde.[5] Kutepow schuf zudem die „Innere Linie“ als Spionageabwehrorganisation, um das Eindringen von Bolschewiki zu verhindern. Diese bereitete der Tscheka zwar einige Probleme, war jedoch nicht sonderlich erfolgreich.
Zu den Erfolgen des „Trusts“ zählte es, Boris Sawinkow und Sidney Reilly in die Sowjetunion zu locken, wo sie gefangen genommen wurden.
Die Sowjets bauten den „Trust“ nicht von Grund auf neu auf. Die Weiße Armee hatte „Schläfer“ (getarnte Agenten) zurückgelassen, und es gab zudem monarchistisch gesinnte Russen, die das Land nach dem Bürgerkrieg nicht verlassen hatten. Diese Personen arbeiteten zusammen und verfügten über eine lose Organisationsstruktur. Als die OGPU sie aufspürte, liquidierte sie nicht alle Beteiligten, sondern manövrierte sie dazu, eine Tarnorganisation für sowjetische Zwecke zu schaffen. Ein weiterer Teil der Operation war eine „illegale“ Reise (die tatsächlich von der OGPU überwacht wurde) des bekannten Emigranten Wassili Schulgin in die Sowjetunion. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel *Drei Hauptstädte* (russ. *Tri stolizy*), in dem er seine Eindrücke schilderte. Darin schrieb er unter anderem, dass Russland entgegen seinen Erwartungen wieder aufblühe und die Bolschewiki wahrscheinlich von der Macht verdrängt würden.
Im Jahr 1993 berichtete der westliche Historiker John Costello, der begrenzten Zugang zu den „Trust“-Akten erhalten hatte, dass diese 37 Bände umfassten. Sie enthielten ein derart verwirrendes Durcheinander von Doppelagenten, wechselnden Decknamen und ineinandergreifenden Täuschungsmanövern – mit der „Komplexität einer sinfonischen Partitur“ –, dass selbst russische Historiker des Geheimdienstes Schwierigkeiten hatten, Fakten von Fiktion zu unterscheiden. Das Buch, in dem dies dargelegt wurde, verfasste er gemeinsam mit dem ehemaligen KGB-Sprecher Oleg Zarjow.[6]
Der Überläufer Wassili Mitrochin berichtete, dass die „Trust“-Akten nicht in den Büros des SVR in Jassenewo aufbewahrt wurden, sondern in den speziellen Archivbeständen (*spetsfondi*) des FSB in der Lubjanka.
Im Jahr 1967 erschien eine sowjetische Abenteuer-Fernsehserie mit dem Titel Operation Trust.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Aktive Maßnahmen
- Operationen unter Falscher Flagge
- Honeypot
- Hundert-Blumen-Bewegung, China
- Roman Wazlawowitsch Malinowski
- Sting-Operation
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Anmerkung: „Trust“ im Sinne eines „Trusts“ (Unternehmenszusammenschluss)
- ↑ ТРЕСТ • Большая российская энциклопедия - электронная версия. Abgerufen am 1. Mai 2023.
- ↑ Christopher Andrew: The Sword and the Shield: The Mitrokhin Archive and the Secret History of the KGB. Hrsg.: Basic Books. 2001, ISBN 0-465-00312-5, S. 33–35, 42 (google.com).
- ↑ Andrew Cook (2004), Ace of Spies: The True Story Of Sidney Reilly, Inspiration for James Bond (2004), The History Press (Series: Revealing History); Taschenbuch „3. Auflage“, S. 221.
- ↑ Simpkins, 2–3.
- ↑ John Costello, Oleg Tsarev: Deadly Illusions. Hrsg.: Century. 1993, ISBN 978-0-7126-5500-2 (englisch, google.com).