Paul Haustein
Oskar Paul Haustein (* 17. Mai 1880 in Chemnitz; † 6. September 1944 in Stuttgart)[1] war ein deutscher Goldschmied, Buchgestalter, Kunsthandwerker, Medailleur[2] und Hochschullehrer.
Ausbildung und beruflicher Werdegang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach Besuch der Volksschule und des Realgymnasiums in Chemnitz und Zittau studierte Haustein 1896 in Dresden und 1897 in München an der jeweiligen Kunstgewerbeschule. Dem schloss sich von 1898 bis 1900 ein Studium der Malerei an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München bei Johann Caspar Herterich an.[1]

1901 gelang es Theodor von Kramer, dem Direktor des Bayrischen Gewerbemuseums, Paul Haustein sowie auch Peter Behrens und Richard Riemerschmid, für die jährlich stattfindenden kunstgewerblichen Meisterkurse zu gewinnen. Haustein beteiligte sich auch an den Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk. 1903 lehnte er einen Ruf als Lehrer für Buchgraphik an die Kunstgewerbeschule Magdeburg ab; stattdessen wurde er Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie.[1] 1905 bis 1907 war er Hilfslehrer für das Metallfach an der Königlichen kunstgewerblichen Lehr- und Versuchswerkstätte in Stuttgart, die später in Königliche Kunstgewerbeschule und 1918 in Staatl. Württembergische Kunstgewerbeschule umbenannt wird. 1907 bis 1944 lehrte er dort als Professor für Metallkunst, 1938 bis 1940 war Haustein vertretungsweise Direktor der Württembergischen Staatlichen Kunstgewerbeschule.[1]
Seine bekannteste Schülerin und zeitweilig auch Mitarbeiterin an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule war die im Holocaust ermordete Gold- und Silberschmiedin Paula Straus.[3]
Er war mit der Konzertpianistin Johanna Haustein verheiratet.
Werk und Lehre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Paul Haustein arbeitete auf nahezu allen Gebieten der angewandten Kunst.[4] Zunächst beschäftigte er sich intensiv mit Gebrauchs- und Werbegraphik (u. a. Plakate, Annoncen, Exlibris, Firmenzeichen, Visitenkarten), betätigte sich aber auch als freier Graphiker und Maler. Er übernahm die künstlerische Gestaltung von Bucheinbänden, Titelblättern und Vorsatzpapieren; zusammen mit Rudolf Rochga gestaltete er 1901 das Mappenwerk Form und Farbe im Flächenschmuck. Frühe Erfolge erzielte Haustein auch mit seinen keramischen Arbeiten. Während seiner Zeit in Darmstadt förderte er im Auftrag der Landesregierung das oberhessische Töpfergewerbe, 1924/25 entwickelte er im Auftrag des württembergischen Landesgewerbeamts eine moderne Keramik-Kollektion.
Auf dem Gebiet der Metallkunst wird Haustein zu einem frühen Vertreter einer modernen Reformkunst gezählt. Neben Schmuckgegenständen (u. a. 1909 Entwurf der Amtskette des Oberbürgermeisters von Leipzig) gestaltete er auch Gebrauchsgerät wie Beleuchtungskörper, Vasen, Rauch- und Schreibtischgarnituren in edlen und unedlen Metallen. Zwischen 1927 und 1933 war er als künstlerischer Berater für die Firma WMF in Geislingen tätig und schuf rund 50 Entwürfe.
In seine Darmstädter und Stuttgarter Zeit fällt insbesondere auch die Gestaltung von Möbeln und Zimmereinrichtungen, die im Rahmen der 2. Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie (1904) sowie der 3. Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden (1906) präsentiert worden sind. Ganze Raumausstattungen schuf er für einige Privathäuser sowie auch für den Bodenseedampfer Friedrichshafen (1909) und dessen Schwesterschiff Hohentwiel (1913).
Neben Bernhard Pankok galt er an der Kunstgewerbeschule Stuttgart als Reformlehrer, der sich für eine praxisnahe Ausbildung seiner Schüler engagierte, indem er Kooperationen mit Gewerbebetrieben in der Region suchte (u. a. WMF, Junghans, Erhard & Söhne). Gleichwohl legte er aber auch großen Wert auf die traditionellen Techniken der Edelmetallkunst und unterrichtete die damals als altmodisch geltenden bzw. verloren geglaubten Techniken des Granulierens und Emaillierens.
Arbeiten von Paul Haustein befinden sich zum Beispiel im Bröhan-Museum in Berlin, im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg und im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Wolfgang Kermer (Hrsg.): Zwischen Buch-Kunst und Buch-Design. Buchgestalter der Akademie und ehemaligen Kunstgewerbeschule in Stuttgart: Werkbeispiele und Texte. Edition Cantz, Ostfildern-Ruit 1996, ISBN 3-89322-893-4 (darin ausführliche bio/bibliographische Daten u. a. über Willi Baumeister, Gunter Böhmer, Walter Brudi, Johann Vincenz Cissarz, Heinz Edelmann, Paul Haustein, Hans Meid, Bernhard Pankok, Karl Rössing, F. H. Ernst Schneidler, Kurt Weidemann).
- Moritz Otto Baron Lasser: Von Paul Hausteins Schaffen. In: Deutsche Kunst und Dekoration. XIII. Jahrgang, S. 178–188.
- Johann Friedrich Häuselmann: Schmuck von Paul Haustein. In: Illustrirte Zeitung. 151. Jahrgang, 1918, Nr. 3928, S. 395.
- Heide Marie Roeder: Paul Haustein (1880–1944). Ein Vermittler der deutschen Reformbewegung – Werk und Material. Dissertation, Universität Stuttgart, 1989.
- Haustein, Paul. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 16: Hansen–Heubach. E. A. Seemann, Leipzig 1923, S. 150–151 (Textarchiv – Internet Archive).
- Haustein, Paul. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 2: E–J. E. A. Seemann, Leipzig 1955, S. 393 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
- Petra Klara Gamke-Breitschopf: Haustein, Paul. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 70, De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-023175-5, S. 245.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Paul Haustein im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Haustein, Paul. Hessische Biografie. (Stand: 6. September 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Kollier aus einer vierteiligen Schmuckgarnitur bei LEO-BW (abgerufen am 13. Oktober 2026).
- Werke von Paul Haustein in der Deutschen Digitalen Bibliothek (abgerufen am 14. Oktober 2026).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 Petra Klara Gamke-Breitschopf: Haustein, Paul. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 70: Hartwanger - Hedouin. Saur, München u. a. 2011, ISBN 978-3-11-023175-5, S. 245.
- ↑ Paul Haustein. Künstler. Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst e. V., abgerufen am 13. Oktober 2026.
- ↑ Die Wiederentdeckung einer modernen Designerin.
- ↑ Die folgenden Ausführungen zu Werk und Lehre beruhen auf Thieme-Becker (1923), Vollmer (1955) und AKL (2011), siehe Literatur.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Haustein, Paul |
| ALTERNATIVNAMEN | PH (Monogramm) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Goldschmied |
| GEBURTSDATUM | 17. Mai 1880 |
| GEBURTSORT | Chemnitz |
| STERBEDATUM | 6. September 1944 |
| STERBEORT | Stuttgart |