Jacobi, Friedrich Heinrich Ritter von

Lebensdaten
1743 – 1819
Geburtsort
Düsseldorf
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Philosoph ; Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118556312 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Jacobi, Friedrich Heinrich (bis 1813)
  • Jacobi, Friedrich Heinrich Ritter von
  • Jacobi, Friedrich Heinrich (bis 1813)
  • jacobi, friedrich heinrich
  • Jacobi
  • Jakobi
  • Jacobi, Fritz
  • Jakobi, Fritz
  • Jacobi, Friedrich
  • Jakobi, Friedrich
  • Jacobi, Friedrich Heinrich von
  • Jakobi, Friedrich Heinrich von
  • Jacobi, Friederich Heinrich
  • Jakobi, Friederich Heinrich
  • Jacobi, Fridericus
  • Jakobi, Fridericus
  • Iacobi, Fridericus
  • Jacobi, Friedrich H.
  • Jakobi, Friedrich H.
  • Jacobi, Friedrich H. von
  • Jakobi, Friedrich H. von
  • Jacobi, Friedr. Heinr.
  • Jakobi, Friedr. Heinr.
  • Jacobi, F. H.
  • Jakobi, F. H.
  • Jacobi, Frédéric H.
  • Jakobi, Frédéric H.
  • Jacobi, M. F. H.
  • Jakobi, M. F. H.
  • Allwill, Eduard
  • Allwills, Eduard
  • Jakobi, F. G.
  • Jacobi, F. G.
  • Jacobus, Fridericus
  • Jakobus, Fridericus
  • Iacobus, Fridericus
  • Jacobi, Friedrich Heinrich Ritther von
  • Jakobi, Friedrich Heinrich (bis 1813)

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Zitierweise

Jacobi, Friedrich Heinrich Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118556312.html#indexcontent [05.09.2026].

CC0

  • Jacobi, Friedrich Heinrich Ritter von (bayerischer Personaladel 1813)

    Philosoph, Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, * 25.1.1743 Düsseldorf, 10.3.1819 München. (lutherisch)

  • Genealogie

    V Joh. Konrad (1715–88), KR, Kaufherr in D., auf Pempelfort, S d. Pfarrers Joh. Andreas in Wollershausen u. d Joh. Juliane Bauer;
    M Marie (1713–46), T d. Georg Fahlmer, aus Michelstadt, KR u. Großkaufm. in D. u. Frankfurt/M., u. d. Aleida von Sonsfeld;
    Stief-M (seit 1748) Maria Cath. (1728–63), T d. Weingroßhändlers Joh. Heinr. Lausberg in Elberfeld u. d. Catharina Bemberg;
    Ov Joh. Friedrich (1712–91), Gen.sup. v. Lüneburg, Schriftsteller (s. ADB 13); Halb-Schw d. M Johanna Fahlmer (1744–1821, Joh. Gg. Schlosser, 1739–99, Oberamtmann in Emmendingen, Schwager Goethes);
    B Joh. Georg (s. 4);
    Halb-Schw Charlotte (1752–1832) u. Helene (1753–1838) führten nach d. Tod v. J.s Frau den Haushalt;
    Vt Andreas Ludolf (1746–1825), Jurist. Syndikus d. Lüneburg. Ritter- u. Landschaft (s. ADB 13);
    - Aachen 1764 Elisabeth (Betty, 1743–84), T d. Tuchhändlers Esaias v. Clermont ( 1751) u. d. Helena Marg. v. Huyssen; Schwager Arnold v. C. ( 1795), Tuchhändler (s. NDB III);
    8 K, u. a. Friedrich (1765–1831), Kaufm. in Aachen, unter d. franz. Besatzung u. unter d. preuß. Herrschaft in versch. höheren Ämtern (Maire, Präfekturrat, Präs. d. rhein. Zollkomm.) (s. W), Georg (1768–1845), Reg.-rat u. Amtmann (s. W), Maximilian (s. 5);
    N Karl v. J. (1790-1875), hannov. Gen. (s. ADB 13);
    E Albano (1805–74), preuß. Gen. d. Inf. (s. ADB 13);
    Ur-E Albano (1854–1919), preuß. Gen. d. Inf., Gen.adjutant d. Kaisers u. Präses d. Gen.ordenskomm., 1905-08 Mil.bevollmächtigter in Petersburg; Ur-Groß-E Arnold (s. 1);
    Ur-Groß-N Bernhard (s. 2).

  • Biographie

    J., als Kind von zurückgezogener Art und schwerfällig anmutend, wird schon in ungewöhnlich früher Jugend von religiösen Problemen (Gottesbegriff; ewige Fortdauer) nachhaltig erfaßt, aus welchen Erfahrungen er später durch denkerische Konsequenz einen neuen „existentiellen personalen“ Wirklichkeitsbegriff entwickelt. Vom Vater wird er für die Kaufmannslaufbahn bestimmt und nach einer kurzen Lehrzeit (1759) in Frankfurt am Main zur weiteren Ausbildung für 3 Jahre nach Genf geschickt. In dieser Zeit wandelt sich J. zu einem weltmännisch gewandten, scharfsinnigen und doch liebenswürdigen jungen Mann. Durch den Mathematiker G. L. Lesage angeleitet, der sein väterlicher Freund und Mentor wird, macht er sich mit der zeitgenössischen Schulphilosophie anhand W. J’s Gravesandes „Introductio ad philosophiam“, aber auch mit der franz. Aufklärungsphilosophie sowie mit J.- J. Rousseau und Ch. de Bonnet vertraut. Anstatt das erhoffte Medizinstudium in Glasgow aufzunehmen, kehrt er – gemäß dem Willen seines Vaters – nach Düsseldorf in dessen Geschäft zurück, das er zusammen mit dem väterlichen Hause 1764 übernimmt. Im gleichen Jahre heiratet er – nach einer Episode mit der bedeutend älteren Dienstmagd Anna Katharina Müller – Betty v. Clermont.

    Die philosophischen Fragen, die J. in den folgenden Jahren beschäftigen, zentrieren sich zunächst um das Problem der Evidenz und die Vorstellung von einem als existent erfahrbaren, nicht aber begrifflich erschließbaren Gott. Er findet zu diesen Problemen in den Schriften des vorkritischen Kant die angemessenste Antwort, unmißverständlicher als die eigenen unveröffentlichten Überlegungen. Überhaupt geht er erst allmählich, nach engerer freundschaftlicher Verbindung mit Wieland und mit dem Kreis anakreontischer Dichter (Heinse, Gleim) um seinen Bruder Johann Georg zu eigenen Veröffentlichungen über, zunächst in Form von Übersetzungen und Einleitungen (Beaumarchais, Geschichte meiner Reise nach Spanien [Clavigo!], Briefwechsel Friedrichs II. mit d’Alembert) und Briefen, sowie in Form von kleinen Abhandlungen, die sich mit literarischen Themen und mit von naturwissenschaftlichen Beobachtungen ausgehenden philosophischen Fragen beschäftigen (Herders Erklärung der tierischen Kunstfertigkeiten). Seine eigenen zentralen philosophischen Themen dagegen bleiben noch im Hintergrund. Nach der Begegnung mit Goethe (1774), die zu einer zwar immer neu gefährdeten, aber trotzdem fast lebenslangen Freundschaft führt, konzipiert J. schriftstellerische Versuche mit ausgesprochen künstlerischem Anspruch, die er immer wieder überarbeitet, verbessert, erweitert und neu herausgibt („Allwill“, 1775, und „Woldemar“, 1777). Sie bedeuten schon in der Grundkonzeption, bei aller eigenerlebten „sentimentalen“ Einstellung, eine tiefgreifende Kritik an der Empfindsamkeit und dem Geniekult der „Sturm und Drang“-Bewegung. Sie liefern darüber hinaus aber – mit der bewußt gestalteten Polarisierung zwischenmenschlicher Beziehungen – neue Themen, welche von da an die europ. Literatur (Jean Paul, Madame de Staël) bis zu den großen russ. Dichtern des 19. Jh. (Puschkin, Turgenjew, Dostojewski) nicht mehr losgelassen haben.

    In diesem Zeitabschnitt (1773–79) entfaltet J. auch eine rege wirtschaftspolitische Tätigkeit, zunächst als Hofkammerrat im Hzgt. Berg durch seine kritische Untersuchung der ständischen Wirtschaft im Hzgt. Jülich und Berg, dann als Geheimrat und Referent für das Zollwesen im bayer. Innenministerium (1779) durch seine politischen Streitschriften im Sinne der Freihandelslehre. Da er jedoch nicht zu Kompromissen wider bessere Einsicht bereit ist, quittiert er den Dienst sehr bald und kann sich dank seines Vermögens von den Handelsgeschäften immer mehr zurückziehen. Das ihm vom Vater überlassene Landgut Pempelfort bei Düsseldorf wird unter Mitwirkung seiner begabten, vielseitig interessierten Frau zu einem Zentrum geistigen Austausches, das die bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit anzieht: Heinse, Wieland, Goethe, Herder, die Brüder Humboldt, Diderot, Hemsterhuis, Hamann, den ital. Dichter A. Bertola de’Giorgi, Dohm, J. N. Gf. Windisch-Graetz, Frhr. vom Stein, G. Forster, Hzgn. Anna Amalia von Sachsen-Weimar,