Klassenkameraden
| Film | |
| Titel | Klassenkameraden |
|---|---|
| Produktionsland | DDR |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 1984 |
| Länge | 91 Minuten |
| Produktionsunternehmen | Fernsehen der DDR |
| Stab | |
| Regie | Rainer Bär |
| Drehbuch | Rainer Bär |
| Musik | |
| Kamera | Adam Pöpperl |
| Schnitt | Marion Fiedler |
| Besetzung | |
| |
Klassenkameraden ist ein deutscher Kriminalfilm aus dem Jahr 1984 von Rainer Bär. Er wurde für das Fernsehen der DDR produziert und am 18. November 1984 dort erstausgestrahlt.
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dem jungen Arbeiter Robert Arndt wird nachts auf einem Waldweg die Jacke samt Brieftasche aus dem Auto gestohlen, während er durch ein zärtliches Tête-à-Tête mit einer Frau abgelenkt ist. Roberts Arbeitskollege Werner vermutet, dass es der Dieb an jener abgelegenen Stelle gezielt auf Liebespaare abgesehen hat. Um nichts unversucht zu lassen, postieren sie das Auto nochmals dort und legen sich auf die Lauer, zur Sicherheit hat Werner ein handliches Stahlrohr dabei. Tatsächlich versucht der Dieb wieder zuzugreifen. Sie verfolgen ihn bis zu seinem einsam gelegenen Haus und zwingen ihn, Roberts Eigentum zurückzugeben. Da er einen ziemlich erbärmlichen Eindruck macht und schwört, nie wieder zu stehlen, verzichten sie darauf, ihn der Polizei auszuliefern.
Kaum sind sie gegangen, erscheint ein anderer Mann und macht dem Dieb Vorwürfe wegen seiner Unvorsichtigkeit. Wie sich zeigt, profitiert dieser Mann von den Diebstählen, ohne sich selbst daran zu beteiligen. Ihn interessiert nicht das Geld, sondern die Ausweise und sonstigen Papiere in den gestohlenen Brieftaschen. Findet er darin etwas, das die Bestohlenen kompromittieren könnte, dann erpresst er sie. Hauptsächlich geht es ihm dabei um das Anknüpfen von Beziehungen, die in der DDR-Mangelwirtschaft oftmals nötiger sind als Geld, um an schwer erhältliche Waren oder Dienstleistungen zu kommen. Dass er es auf diese Weise zu ansehnlichem Wohlstand gebracht hat, verbittert seinen eher ärmlichen Kompagnon offenbar schon lange, sein arrogantes Auftreten tut ein Übriges. Der Streit eskaliert.
Kurz darauf kehrt Robert nochmal zurück, weil er sein wertvolles Feuerzeug vermisst, und findet den Dieb tot am Boden liegend. Er flüchtet entsetzt, doch Werner will sich mit eigenen Augen überzeugen. Also fahren sie mit dem Auto vor das Haus, aber die Leiche ist unterdessen verschwunden. Während sie noch im Haus herumsuchen und schließlich einen makaberen Scherz vermuten, verstaut der Komplize den Toten unbemerkt auf dem Rücksitz ihres Wagens. Die jungen Männer entdecken ihn erst daheim in der Garage. Was nun? Nie wird die Polizei ihnen glauben, dass sie mit seinem Tod nichts zu tun haben, zumal nicht nur Robert sein Feuerzeug, sondern Werner auch das Stahlrohr mit seinen Fingerabdrücken im Haus des Toten liegen ließ.
Tags darauf trifft der Kriminalpolizist Hauptmann Bergemann in Langenberg ein, um einem Fall von Erpressung nachzugehen. Er freut sich zudem, in der Stadt seiner Kindheit nach vielen Jahren seine Klassenkameraden und Freunde Richard Abel, Helmuth Grohmann und Fred Burger wiederzusehen. Abel, den er zuerst besucht, ist Zahnarzt geworden. Grohmann hat es sogar noch besser getroffen, er leitet die piekfeine Bar am Markt. Zu Burger haben beide seit langem keinen Kontakt mehr, er soll ziemlich heruntergekommen sein. Grohmann und Bergemann fahren zu Burgers einsam gelegenen Haus und sehen sich darin um, aber er ist nicht anwesend.

In der nächsten Nacht schaffen Robert und Werner den Toten kurzerhand in sein Haus zurück. Zwar findet Robert nun sein Feuerzeug, doch Werners Stahlrohr ist verschwunden, höchstwahrscheinlich wurde der Dieb damit erschlagen. Eine scheußliche Situation! An die Polizei können sie sich nicht wenden, und irgendwo läuft ein Mörder herum, der sie kennt und vielleicht beobachtet. Robert sah in der verhängnisvollen Nacht unweit des Hauses einen PKW der Marke Mazda stehen, eine Seltenheit in der DDR. Später entdeckt er das Fahrzeug in der Stadt und vermutet, dass es dem Chef der Bar gehört.
Bergemann hat die Vorgehensweise des Erpressers schnell durchschaut. Eine auffallende Häufung angezeigter Ausweisverluste lässt auf weitere, nicht angezeigte Erpressungen schließen. Die Befragung der Betroffenen wird ihn sicher bald auf die Spur des Täters bringen. Bergemann hat also Zeit für die alten Freunde und einen erneuten Besuch bei Burger. Diesmal treffen sie ihn an, allerdings tot. Da man bei der Spurensicherung einige der vermissten Ausweise findet, wird Bergemann auch mit der Morduntersuchung beauftragt. Mit kriminalistischem Scharfblick bemerkt er sofort, dass Burgers ärmlicher Haushalt nicht zu den sicher recht einträglichen Erpressungen passt, und dass ein auffälliges Feuerzeug mit dem eingravierten Monogramm „RA“ nicht mehr da ist.
Abel erzählt den Freunden, dass Burger eine Tochter hat, die ihn gelegentlich besuchte. Bergemann lässt sie sofort nach Langenberg kommen. Nach Kontaktpersonen ihres Vaters befragt, berichtet sie von einem ihr unbekannten Mann, den sie jedoch wiedererkennen würde. Spätabends im Hotel bemerkt Bergemann verwundert, dass die junge Frau noch außer Haus ist, worauf die Rezeptionistin meint, er selbst habe sie doch telefonisch zum alten Markt bestellt. Schlimmes ahnend, beordert er sofort einige Streifenwagen dorthin. Die Polizisten umzingeln einen Verdächtigen, der aber auf unerklärliche Weise entkommt. Als Bergemann die Örtlichkeit genauer betrachtet, erinnert er sich plötzlich an eine verborgene Gasse, die schon ihrer damaligen Jungenclique als geheimer Fluchtweg diente.
Ein Ortspolizist meldet, er habe in der Mordnacht zwei junge Männer in einem roten Škoda wegen eines defekten Scheinwerfers angehalten. Bergemann befiehlt, das Fahrzeug und seinen Halter ausfindig zu machen. Unterdessen sucht Robert den Mazda-Besitzer Grohmann in der Bar auf, um einmal auf den Busch zu klopfen. Tatsächlich geht Grohmann auf Roberts Anspielungen ein und scheint verhandeln zu wollen, da kommt zufällig Bergemann herein. Als Grohmann ihn süffisant als Kriminalpolizisten und alten Schulfreund vorstellt, zieht Robert sich hastig zurück, hört die beiden aber noch über den nächtlichen Anschlag auf Burgers Tochter sprechen. Jetzt muss Robert sich etwas einfallen lassen, und zwar schnell, denn draußen nehmen schon Polizisten seinen roten Škoda in Augenschein.
Robert kann sich nun einiges zusammenreimen und schmiedet mit Werner einen Plan. Roberts Bekannte ist bereit, ihnen zu helfen und den Lockvogel zu spielen. Sie ruft Grohmann an, gibt sich als Burgers Tochter aus und vereinbart mit ihm ein Treffen. Robert und Werner hoffen wohl, Grohmann damit provozieren und letztlich überführen zu können. Glücklicherweise überblickt aber auch Bergemann inzwischen das Geschehen und trifft entsprechende Vorbereitungen. So kann sich die unheimliche nächtliche Szenerie wiederholen: Wieder tritt Grohmann in der menschenleeren Straße bedrohlich auf die junge Frau zu, wieder entgeht er dem Zugriff der Polizisten, doch diesmal wartet am Ausgang der verborgenen Gasse sein alter Schulfreund Bergemann und nimmt ihn mit eisiger Miene in Empfang.
Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Film wurde vom 15. November 1983 bis zum 15. Februar 1984 in Berlin sowie Altenburg und Umgebung gedreht.[1] Die Handlung ist in der fiktiven Stadt Langenberg angesiedelt; Titelmusik ist die Moonlight Serenade von Glenn Miller. Zur musikalischen Untermalung wird im Film auch mehrfach der von Joachim Süß komponierte und gespielte Zither-Fox eingesetzt. Er enthält deutliche Anklänge an das Harry-Lime-Thema von Anton Karas aus Carol Reeds Der dritte Mann. Ebenso ähnelt die Flucht Helmuth Grohmanns der Flucht Harry Limes durch das nächtliche Wien. Im Schaufenster eines Fotogeschäfts ist mehrfach deutlich ein Porträt von Alfred Hitchcock zu sehen.[2]
Klassenkameraden wurde ursprünglich als Polizeiruf-110-Folge produziert, jedoch als Einzelfilm außerhalb der Reihe ausgestrahlt.[3] Das polizeiruf110-lexikon.de nennt (ohne weitere Belege) als Gründe für die Ausstrahlung als Einzelfilm „… das «Fehlen von Standardermittlern», aber auch – nach Meinung des MdI[A 1] –, daß er «nicht DDR-bezogen» bzw. «nicht klassenbezogen»“ war.[1] Er gehört damit, wie auch die Filme:
- Gelb ist nicht nur die Farbe der Sonne (1979)
- Herbstzeit (1979)
- Die lieben Luder (1983)
- Außenseiter (1985)
- Kalter Engel (1986)
- Im Alter von … (1974)
- Rosis Mann (1984)
zu den produzierten Polizeiruffolgen, die aus unterschiedlichen Gründen[4] nicht in die Polizeiruf-Reihe aufgenommen wurden oder keine Sendefreigabe erhielten.
Der Film wurde 1986 und 1987 vom WDR Fernsehen, Bayerischen Fernsehen, Hessen Drei sowie Südwest 3 ausgestrahlt.[5]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Darstellung gemäß Eintrag im Polizeiruf110-Lexikon ( vom 2. September 2007 im Internet Archive)
- ↑ Frank Junghänel: Bei Anruf Mord ( vom 18. Januar 2015 im Internet Archive). In: Berliner Zeitung, 18. März 1994.
- ↑ Polizeiruf 110: Klassenkameraden bei ard.de, abgerufen am 26. April 2013
- ↑ Peter Hoff: Polizeiruf 110. Filme, Fakten, Fälle. Das Neue Berlin, Berlin 2001, ISBN 3-360-00958-4, S. 94–95.
- ↑ Klassenkameraden. In: Achim Klünder. Lexikon der Fernsehspiele. K.G. Saur Verlag, München 1991. ISBN 3-598-10836-2. Abgerufen auf books.google.de am 9. November 2012