Pozořice
| Pozořice | ||||
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| Basisdaten | ||||
| Staat: | ||||
| Region: | Jihomoravský kraj | |||
| Bezirk: | Brno-venkov | |||
| Fläche: | 1546 ha | |||
| Geographische Lage: | 49° 13′ N, 16° 47′ O | |||
| Höhe: | 365 m n.m. | |||
| Einwohner: | 2.374 (1. Jan. 2023)[1] | |||
| Postleitzahl: | 664 07 | |||
| Kfz-Kennzeichen: | B | |||
| Verkehr | ||||
| Straße: | Holubice – Ochoz u Brna | |||
| Struktur | ||||
| Status: | Městys | |||
| Ortsteile: | 1 | |||
| Verwaltung | ||||
| Bürgermeister: | Tereza Jiráčková (Stand: 2026) | |||
| Adresse: | Na Městečku 14 664 07 Pozořice | |||
| Gemeindenummer: | 583677 | |||
| Website: | www.pozorice.cz | |||

Pozořice (deutsch: Posorschitz, auch Posoritz) ist eine Minderstadt in Tschechien. Sie liegt vierzehn Kilometer östlich des Stadtzentrums von Brünn sowie neun Kilometer nordwestlich von Slavkov u Brna und gehört zum Okres Brno-venkov.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pozořice befindet sich am südlichen Rand des Drahaner Berglandes an der Grenze zur Vyškovská brázda (Wischauer Tor) und der Thaya-Schwarza-Senke. Gegen Osten liegen die Täler des Kovalovický potok und des Vítovický potok. Im Norden erhebt sich die Kněží hora (430 m n.m.) und im Nordosten der Kalečník (533 m n.m.) sowie die Vysoká (504 m n.m.).
Nachbarorte sind Hostěnice im Norden, Olšany im Nordosten, Vítovice, Královopolské Vážany, Viničné Šumice und Kovalovice im Osten, Holubice im Süden sowie Sivice im Westen.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes datiert auf das Jahr 1318 und findet sich in einer Urkunde von Papst Johannes XXII., in der Půta von Pozořice, Herr auf Burg Vildenberk (Wildenberg), genannt wird. 1371 verkauften die Herren von Wildenberg die Burg mit allem Zubehör, darunter auch das Dorf Pozořice mit dem Kirchenpatronat, an Markgraf Johann Heinrich. Im Verlauf des mährischen Bruderkriegs zwischen Johann Heinrichs Söhnen wurde die Burg aufgegeben. Durch Markgraf Jobst erfolgte zwischen 1385 und 1406 ein Ausverkauf der Dörfer der Wildenberger Herrschaft. 1402 überließ er die Dörfer Pozořice, Šumice, Kovalovice und Sivice als erbliches Gut an Peter von Krawarn auf Plumlov. 1447 veräußerte dessen Neffe Jiřík den Besitz an Mikuláš Cigán von Čelechovice, der Pozořice noch im selben Jahr an Jan von Popůvek weiterverkaufte. Auf Jan folgten sein Sohn Hynek und später dessen Tochter Markéta. Sie heiratete zunächst Jan von Widbach und in zweiter Ehe Oldřich Přepický von Richenburg. Letzterer verkaufte 1568 die Feste und das Dorf Pozořice mit dem herrschaftlichen Hof sowie Slavíkovice an Mikuláš Kokorský von Kokoř. 1569 erwarb Albrecht von Boskowitz und Černahora den Besitz. Ihm folgte sein Bruder Johann, mit dessen Tod 1597 die männliche Stammlinie der Boskowitzer erlosch. Die Herrschaft erbte Johanns Tochter Katharina. 1604 nahm sie ihren Ehemann Maximilian von Liechtenstein in die Gütergemeinschaft ihrer mährischen Besitzungen auf. Nach Katharinas Tod 1637 fiel die Herrschaft vollständig an das Haus Liechtenstein. Ende des 17. Jahrhunderts wurde die örtliche Feste zu einem Schloss umgebaut. 1724 erfolgte die Einweihung der barocken Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Von 1803 bis 1817 betrieb der Unternehmer Gottlieb Schäfer in Pozořice eine Tuchmacher-Manufaktur mit sechzehn Webstühlen und bis zu siebzig Beschäftigten. Das Unternehmen ging nach einem Konjunkturrückgang in Konkurs. 1833 wurde ein Schulgebäude errichtet. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieben die Liechtensteiner Grundherren von Pozořice.
Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Pozořice ab 1850 eine politische Gemeinde in der Bezirkshauptmannschaft Vyškov. Im Besitz der Liechtensteiner befanden sich damals eine Dampfmühle, eine Ziegelei, eine Brauerei sowie eine Brennerei. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden rund dreißig selbständige Gewerbetreibende verschiedener Berufe verzeichnet. Teile der Bevölkerung fanden Beschäftigung in Brünner Industrieunternehmen. 1921 wurde die Gemeinde an das elektrische Stromnetz angeschlossen. 1925 wurden eine regelmäßige Busverbindung nach Brünn eingerichtet und Filmvorführungen im örtlichen Kino aufgenommen. Während des Zweiten Weltkriegs flohen sechs junge Männer ins Ausland und dienten als Soldaten in den britischen Streitkräften. 1992 wurden sie posthum zu Ehrenbürgern der Gemeinde ernannt. In den nationalsozialistischen Konzentrationslagern kamen vier Einheimische und sieben jüdische Flüchtlinge, die in Pozořice Schutz gesucht hatten, ums Leben. Die deutsche Besatzung endete im April 1945. Am 25. April 1945 rückten Truppen der Roten Armee in Pozořice ein. Bei den Kampfhandlungen wurden drei Einheimische und 37 sowjetische Soldaten getötet. Etwa fünf Gebäude wurden durch Luftangriffe zerstört.
1947 erfolgte die Eingemeindung von Jezera (Jesera). 1948/49 kam es zur Verstaatlichung und Auflösung der Kleinindustrie. 1950 wurde die Gemeinde dem Okres Slavkov zugeordnet. 1951 wurde die Landwirtschaft durch die Gründung einer Genossenschaft kollektiviert. 1960 entstand ein neues Schulgebäude. Seit 1961 ist die Gemeinde Teil des Okres Brno-venkov. 1980 wurden die Ortsstraßen asphaltiert. 1988 erfolgte der Anschluss an die Gasversorgung. 2004 wurden siebzehn Altenwohnungen mit Pflegedienst und 24 kommunale Wohnungen gebaut. Am 26. Oktober 2006 erhielt Pozořice den Status eines Městys (Minderstadt).
Gemeindegliederung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für die Minderstadt Pozořice sind keine Ortsteile ausgewiesen. Zu Pozořice gehört die Ortslage Jezera (Jesera).
Bevölkerungsentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Pozořice: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2021 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1869 | 890 | |||
| 1880 | 954 | |||
| 1890 | 1.014 | |||
| 1900 | 1.064 | |||
| 1910 | 1.173 | |||
| 1921 | 1.180 | |||
| 1930 | 1.337 | |||
| 1950 | 1.880 | |||
| 1961 | 2.093 | |||
| 1970 | 1.980 | |||
| 1980 | 1.963 | |||
| 1991 | 1.888 | |||
| 2001 | 1.976 | |||
| 2011 | 2.176 | |||
| 2021 | 2.279 | |||
| Quelle(n): Historický lexikon obcí České republiky 1869–2005, Sčítání 2011, Sčítání 2021 Anmerkung(en): 1947 Eingemeindung von Jezera | ||||
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, eingeweiht 1724
- Schloss Pozořice, umgebaute Feste aus dem 15. Jahrhundert
- Altes Postamt, ehemaliges Verwaltungsgebäude
- Barocke Kreuzigungsgruppe, Vorplatz der Pfarrkirche
- Statuen der hll. Florian, Johannes Nepomuk und Kajetan von Thiene
- Wegkreuze
- Denkmäler für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs
- Jubiläumsgedenkstein für Fürst Johann II. von Liechtenstein, errichtet 1908, nordöstlich des Ortes
- Reste der Burg Vildenberk (Wildenberg) aus dem 14. Jahrhundert, nordöstlich des Ortes
- Reste der Burg Hradišček aus dem 13. Jahrhundert, nordöstlich des Ortes
- Reste der Burg Hrádek u Vítovic, nordöstlich des Ortes
Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Minderstadt verfügt über jährliche Steuereinnahmen (2021) von ca. 500 € pro Einwohner. Zum Kataster gehören 1075 ha Waldboden, 310 ha Ackerland und ca. 1 ha Weinberge. Die meisten arbeitsfähigen Einwohner sind traditionell, seit etwa 1900 in Brünn beschäftigt. Busverbindung gibt es nach Brünn im Stundentakt, Autobahn- und Eisenbahnanschluss ist etwa 4 km entfernt. Fast alle Familien besitzen ein Wohnhaus mit durchschnittlich ca. 700 m² Garten.
Im Ort gibt es etwa fünfzehn kleine Gewerbetreibende im Handwerk und Dienstleistungssektor, kleine Produktionen von Beton- und Plastikteilen, landwirtschaftliche Produktion hat wenig Bedeutung.
Dienstleistungseinrichtungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Grundschule wird im Ort schon Anfang des 17. Jahrhunderts erwähnt. Im Schuljahr 2008/2009 sind 286 Schüler an der neunjährigen Schule angemeldet, in den Klassen 6–9 sind Kinder aus fünf umliegenden Dörfern.
Zu den Einrichtungen gehören auch ein Kindergarten für sechzig Kinder, Poststelle, öffentliche Bücherei, die Freiwillige Feuerwehr Pozořice. Zur technischen und hygienischen Standardausstattung fehlte in der Minderstadt im Jahr 2009 nur noch ein Breitbandanschluss ans Internet.
Im Ort gibt es drei Ärzte, eine Apotheke, eine Reihe von Lebensmittel- und Fachgeschäften, sowie kleinen Handwerksbetrieben, etwa fünf Gaststätten und Cafés, Unterkunft in einer Touristenherberge und eine Diskothek.
Freizeit und Sport
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Minderstadt sind drei Sportvereine für Fußball, Volleyball, Tennis, Bowling, Aerobic, Radfahren aktiv, sowie Pfadfinder, Naturschützer, Bienenzüchter und etwa fünf andere Hobbyvereine. Im Jahr 2009 investiert die Minderstadt 220.000 € in Sportanlagen.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ruth Elias: Die Hoffnung erhielt mich am Leben. Mein Weg von Theresienstadt und Auschwitz nach Israel. 5. Auflage. Piper, München u. a. 1998, ISBN 3-492-21286-7.
- Autorenkollektiv: Pozořice v proměnách času. 1. Auflage. F.R.Z. Agency s.r.o., Brno 2018, ISBN 978-80-88131-42-7.
- Johann Slokar: Geschichte der österreichischen Industrie und ihrer Förderung unter Kaiser Franz I. 1. Auflage. F. Tempsky, Wien 1914.
- Autorenkollektiv: Ottův slovník naučný, díl 20. 1. Auflage. J. Otto, Praha 1903.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Internetzeitung Pozořický zpravodaj
- Steuereinnahmen der Minderstadt
- www.cuzk.cz Kataster Pozořice
