Die Sikorsky S-52 ist ein Mehrzweckhubschrauber, der Ende der 1940er Jahre von Sikorsky Aircraft entwickelt wurde. Er wurde von der USNavy, dem Marine Corps und der Coast Guard eingesetzt. Die S-52 war der erste Hubschrauber, der in den USA in Serie gebaut wurde und mit Rotorblättern aus Vollmetall ausgerüstet war.
Sikorsky Aircraft begann am 15. Februar 1946 mit der Konstruktion der S-52. Dies geschah auf eigene Kosten, denn man wollte an den Erfolg der S-51 anschließen. Es wurde damit begonnen drei Maschinen zu entwickeln und zu bauen. Dies mit einem Budget von $300.000 (1946). Sie waren alle Zweisitzer und wurde von einem luftgekühlten Sechszylinder-Boxermotor Franklin 6V4-165-B32F mit 133kW (178PS) angetrieben. Die Prototypen war wegweisend für den Einsatz von Haupt- und Heckrotorblättern aus Vollmetall sowie versetzter Klappgelenke für den Hauptrotor. Dies ermöglichte eine größere Manövrierfähigkeit und wurde zu einem charakteristischen Konstruktionsmerkmal von Sikorsky.[1]
Einer der Prototypen absolvierte den Erstflug am 12. Februar 1947. Schon am 6. April wurde er der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Luftfahrzeug erhielt am 25. Februar 1948 ein Musterzertifikat der Civil Aeronautics Authority. Die S-52 wurde bald zur S-52-1 weiterentwickelt, bei der ein leistungsstärkerer Franklin-Motor mit 183kW (245PS) verbaut wurde. Der S-52-1 verfügte über ein Dreiradfahrwerk, während die Modelle S-52-2 und S-52-3 mit einem Vierradfahrwerk mit vollschwenkbaren, selbstzentrierenden Vorderrädern ausgestattet waren.[2]
Der Prototyp der S-52-1 stellte 1948 mehrere Geschwindigkeits- und Höhenrekorde auf, darunter 204,2km/h) auf einer 3km langen Strecke, 197,54km/h auf einer 1km langen Runde sowie eine absolute Höhe von 6.468m. Er war in der Lage, außerhalb des Bodeneffekts in einer Höhe von 1.798 m oder im Bodeneffekt in einer Höhe von 2.804m zu schweben. Der S-52 war der erste Hubschrauber, der einen Looping flog, am 19. Mai 1949 unter der Führung von Harold E. Thompson.[3]
Eine S-52-3 (2002)
Die zweisitzige Version wurde zum S-52-2 umgebaut, einem viersitzigen Hubschrauber mit einem luftgekühlten Sechszylinder-Boxermotor Franklin O-425-1 mit 183 kW (245 PS, Zivilbezeichnung Franklin 6V6-245-B16F), der zur Unterbringung der vergrößerten Kabine leicht nach hinten versetzt wurde. Er verfügte über einen Halbmonocoque-Rumpf in Pod-and-Boom-Bauweise mit einer großen, blasenartigen Frontkabine sowie einen dreiflügeligen Rotor und ein starres Vierrad-Fahrwerk, das die frühere Dreirad-Anordnung ersetzte. Die Serienversion S-52-3 (HO5S-1) verfügte über ein nach unten geneigtes V-Leitwerk. Außerdem hatte sie Schiebetüren an der rechten Vorderseite und der linken Rückseite sowie eine vertikal geteilte vordere Kuppel, deren linke Hälfte sich aufschwingen ließ. Der Motor befand sich am hinteren Ende der Kabine und war um 30 Grad nach vorne geneigt, um mit der Kupplung und dem Getriebe verbunden zu werden. Der verantwortliche Pilot saß auf dem rechten Vordersitz, während die vordere Klappe das Verladen von zwei Patienten auf Tragen auf der linken Seite des Hubschraubers ermöglichte, wo sie bei medizinischen Evakuierungseinsätzen von einem Sanitäter auf dem rechten Rücksitz versorgt werden konnten.[4]
Die S-52 diente auch als Grundlage für die turbinengetriebene S-59 (ursprünglich als S-52-5 oder YH-18B bezeichnet), die als XH-39 mit der BellXH-40 um eine von der US Army ausgeschriebenen Vertrag für turbinengetriebene Mehrzweckhubschrauber konkurrierte und diesen verlor.[5]
Eine HO5S-1 des Marine Observation Squadron (VMO-6) bei der Evakuierung von Verwundeten in Koreakrieg am 20. Juli 1953
Die US Navy setzte die Maschinen als Mehrzweckhubschrauber ein. Das US Marine Corps wiederum nutzte sie im Koreakrieg zur Beobachtungs- und Aufklärungszwecken. Das US Marine Corps setzte den HO5S im Koreakrieg zudem in großem Umfang für medizinische Evakuierungen ein, da zwei verwundete Soldaten auf Tragen im Inneren transportieren konnte, was als Vorteil gegenüber dem Bell HTL angesehen wurde, der Tragen nur außen befördern konnte.
Vier S-52 wurden 1950 von der US-Armee als YH-18A für den Einsatz als Mehrzweckhubschrauber getestet, jedoch nicht in größerer Stückzahl beschafft. Die YH-18A mit der Seriennummer 42-2890 wurde später zum Prototyp XH-39 umgebaut.
Im September 1952 wurden acht Maschinen der S-52-3 als HO5S-1G an die US Coast Guard ausgeliefert. Sie erwiesen sich jedoch für Such- und Rettungsaufgaben als zu langsam, zu klein und mit zu geringer Reichweite, sodass sie ab April 1954 eingelagert wurden.
Viele ehemalige militärische S-52-Hubschrauber wurden demilitarisiert, umgebaut und für den zivilen Einsatz zugelassen. 1964 erwarb Orlando Helicopter Airways (OHA) das Musterzertifikat und den Ersatzteilbestand von Sikorsky. In den frühen 1960er Jahren hatte OHA-Gründer Fred Clark eine Flotte von drei S-52-Hubschraubern für die Inspektion von Stromleitungen sowie für den Transport von VIPs und Medienvertretern zwischen Orlando, Florida und dem Kennedy Space Center in Cape Canaveral eingesetzt. OHA erwarb schließlich mindestens 17 S-52 Hubschrauber, die intensiv für Flüge zur Inspektion von Stromleitungen eingesetzt wurden. Eine Aufgabe, für die Clark die S-52 als besonders gut geeignet erachtete, da sie komfortabler zu fliegen war und eine größere Reichweite hatte als die damals deutlich besser verfügbare Bell 47.
Im Jahr 1981 wandte sich ein NASA-Wissenschaftler an Clark und schlug vor, einen elektrisch angetriebenen bemannten Hubschrauber als Machbarkeitsnachweis zu entwickeln. Die OHA hatte einen durch einen Hurrikan beschädigten ehemaligen HO5S-1 des Marine Corps eingelagert. Mit Mitteln der NASA wurde das Luftfahrzeug zuerst mit vier ausrangierten 45 kW Elektrostartmotoren aus ausgedienten Turbowellenturbinen sowie vierzehn 72 Volt Blei-Säure-Batterien wieder aufgebaut. Im Jahr 1983 wurde das Fluggerät kurzzeitig mit Bordstrom angetrieben, es traten jedoch Probleme mit der Motorsynchronisation auf. Die OHA erhielt zusätzliche Mittel von der NASA in der Hoffnung, die problematische 4 Motoren Konfiguration durch einen einzigen 180 kW starken Torpedomotor zu ersetzen. Wodurch das Getriebe entfallen würde. Es gelang ihr jedoch nicht, den gewünschten Motor von der US-Marine zu beschaffen. Die OHA lagerte die Maschine daher 1984 auf unbestimmte Zeit ein und das Projekt wurde schließlich aufgegeben. Obwohl letztendlich erfolglos, gilt die elektrisch angetriebene HO5S-1 als das erste bemannte eVTOL das mit Bordbatteriestrom statt über ein Kabel, das an eine bodengestützte Stromversorgung angeschlossen war, geflogen ist.
Der Sohn von Fred Clark, Brad, gründete 1987 das Unternehmen Vertical Technologies, mit dem er das Selbstbau Kit Hummingbird 260L verkauft. Dieses basiert auf der S-52-3 mit einer Bell 206 Jet Ranger Front.
Eine restaurierte HO5S-1, damals eines der wenigen flugfähigen Exemplare dieses Typs, ist im Film Devotion aus dem Jahr 2022 zu sehen.
Eine HO5S-1 im National Air and Space Museum’s Steven F. Udvar-Hazy CenterS-52 – zweisitzige Variante mit 6-Zylinder-Boxermotor mit 133 kW, 3 Maschinen gebaut
S-52-1 – zweisitzige Variante mit luftgekühlten 6-Zylinder Boxermotor Franklin 6V6-245-B16F mit 186 kW (245 PS)
S-52-2 – wie S-52-1, nur mit einem Vierradfahrwerk mit vollschwenkbaren, selbstzentrierenden Vorderrädern
S-52-3 – eine Variante des S-52-2 für die US Navy und die US Coast Guard mit den Bezeichnungen HO5S-1 und HO5S-1G
YH-18A – vier S-52-2 zur Erprobung durch die US Army. von denen zwei später zu XH-39 umgebaut wurden
HO5S-1 – eine Variante der viersitzigen S-52-2 für die US Navy. 79 Exemplare wurden gebaut
HO5S-1G – als HO5S-1 für die US Coast Guard. Acht Exemplare gebaut
XH-39 – Prototyp mit Turbinenwellenantrieb, der aus zwei YH-18A umgebaut wurde. Auch als S-59 bezeichnet.
Experimental Electric S-52 – Batteriebetriebener Prototyp von Fred Clark von 1981. Diese S-52-2 war mit 45 kW Elektrostartmotoren, der von 14 (72 Volt) Blei-Säure-Batterien mit einer Masse von 272kg angetrieben wird. Damit sollte der Hubschrauber bis zu 10 Minuten betrieben werden können.[6] Er ist damit der erste vollelektrische Passagierhubschrauber. Es blieb bei einem Prototypen. Dieser wurde in denn frühen 2000er Jahren in seinen original Zustand aus dem Koreakrieg zurückgebaut. Und steht heute im Steven F. Udvar-Hazy Center in Chantilly, Virginia.
Vertical Hummingbird – Der von Vertical Aviation Technologies aus Sanford, Florida, vertriebene Hummingbird 260L, später 300L ist ein Bausatzmodell, zum Selbstbau ($229.000 (2026)) oder bauen lassen. Das auf der Grundzelle, den Rotorblättern, dem Hauptgetriebe und dem Heckrotorantrieb des Hubschraubers Sikorsky S-52 basiert. Jedoch mit einer Nasenkonus- und Windschutzscheibenkonstruktion des Bell 206 JetRanger optimiert wurde. Der Hummingbird wird von einem IO-540 angetrieben – einem vertikal eingebauten, luftgekühlten Sechszylinder-Boxermotor.[7][8]